
In Unkatzegoriert on 14. Dezember 2009 by Mark Mit Tag(s) versehen: Verdienen statt Dienen
Jedes Land hat das Volk, das es verdient. Weitere Zusammenhänge des gerechten Verdienens sind: Der Moderator sein senfgelbes Jackett, der Verteidigungsminister seine Armee, der eitle Kurzsichtige seinen Nasenbeinbruch, der Idealist seinen faulen Kompromiss und der Zug zur Hölle seine Schaffner.
Die Hölle sind eben immer die anderen. Und Roland Koch, der ist der Teufel.

In Unkatzegoriert on 29. November 2009 by Mark Mit Tag(s) versehen: Autobahn, Burschenschaft, Frank Rennicke, Nazipack
An der Autobahnraststätte sehe ich eine Gruppe junger Männer, alle in Anzügen und mit rasant gegelten Haarschnitten, welche sich in der Wartschlange vor dem Schnellrestaurantschalter köstlich zu amüsieren scheinen. Auf ihr Rufen, man möge doch bitte eine zweite Kasse öffnen, schließlich seien Kunden da, wird seitens des eh schon überforderten Personals nicht reagiert. Irgendwie, denke ich bei mir, liegt hier ein ganz komischer Geruch in der Luft, irgendetwas zwischen Brüderschaftstrinken und Friedrich-Naumann-Stiftung.
Was denn dieses Jahr an der Silversterfeier so geboten sei, fragt einer der jungen Männer. Der Spassvogel der Truppe – erkennbar an der Pappkrone, die seit einigen Minuten sein Haupt ziert – erwidert, er habe da an Frank Rennicke gedacht, er kenne da jemanden, der prima Verbindungen zu ihm habe.
Ich nehme meinen Kaffee in die Hand und gehe hinaus in die Kälte. Als ich bei den letzten Züge meiner Zigarette bin, erspähe ich ein Burschikäppchen auf dem Armaturenbrett im Auto neben mir und ich frage mich, ob Frank Rennicke beim türkischen Gemüsehändler um die Ecke einkauft, um es den multinationalen jüdisch-amerikanischen Handelskonzernen mal so richtig zu zeigen.

In Unkatzegoriert on 21. Oktober 2009 by Mark Mit Tag(s) versehen: Kapitalismus ist wie Zeche prellen, Politik, Wirtschaft
Inkludiert ein Rückzug der Politik aus der Wirtschaft auch gleichzeitig einen Rückzug der Wirtschaft aus der Politik? Interessante Frage, die aber leider nur bloße Hüllen bietet, wo wirkliche Bedeutung sein könnte. Und abgesehen davon, wen interessiert das, wenn doch die beste Politik in der Wirtschaft gemacht wird?
Prost.

In Unkatzegoriert on 13. Oktober 2009 by Mark Mit Tag(s) versehen: Medial & Mehr, SDZ Druck und Medien, Sein Kampf

Du scheinst, zumindest was so das tolle Mitmachweb betrifft, mittlerweile in der Gegenwart angekommen zu sein. Anders sieht es, verzeihe mir bitte das in diesem Zusammenhang eher unangebrachte Wortspiel, an deiner Heimatfront aus. Denn im Schützengraben der lokalen Papierpresse lebst Du noch in der Vergangenheit.
Oder wie anders soll ich so etwas deuten?

In Unkatzegoriert on 2. Oktober 2009 by Mark Mit Tag(s) versehen: FDP, Persönliches & Alltag, Pferde, Politik
Reiten war, für mich zumindest, bei anderen mag es da anders aussehen, nie eine begehrenswert durchzuführende Tätigkeit. Trotzdem könnte man meinen, ich hätte mich in meinem Leben beinahe durchgängig auf das falsche Pferd gesetzt. Damit würde man zwar Redewendungen bis zur Grenze ihrer Belastbarkeit treiben, aber so ganz unrecht hätte man damit nicht.
So wie jetzt hat es dann geendet. Und damit könnte der Ausgang der Bundestagswahl gemeint sein, ist es aber nicht. Das ist rein persönlich, was ich hier beschreibe. Auch meine Enttäuschung. Ein schlauer Mann hat mal gesagt, jeder in der FDP müsste Dahrendorf gelesen haben, dann könnte man mit dem Haufen zumindest ein kleines etwas anfangen. Aber mit diesem Bonmot würde man wohl nur – um unsere englischen Freunde zu bemühen – auf ein totes Pferd eindreschen. Und das wollen wir doch nicht, so als Tierschützer.
Da treiben wir lieber Redewendungen bis an die Grenze ihrer Belastbarkeit.

In Unkatzegoriert on 31. August 2009 by Mark Mit Tag(s) versehen: Fernsehen, Medial & Mehr, Testbild
Wenn mein Leben entlang der narrativen Struktur des privaten Frühstücksfernsehens verlaufen würde: Dann müsste ich mit zwei lockeren Sprüchen auf den Lippen aufwachen, dürfte auf dem taumelnden Weg ins Badezimmer nicht über den Studiohund stolpern und könnte das, was mich diesen Tag erwartet in knackigen Zweizeilern komprimieren. Während den Zwiegesprächen mit meinem Promiexperten und diversen Gästen würde ich dann Kaffee aus bunten Henkeltassen schlürfen, unterbrochen nur von regelmäßigen Konsumtätigkeiten.
Aber wenn ich es genauer betrachte, dann wäre die televisionale Entsprechung meines Lebens – zumindest der ersten zwei, drei Stunden meiner Tage – eher ein Testbild. Das mit dem markerschütternden Piepton.
Danach käme krawalliges Bildungsfernsehen.

In Unkatzegoriert on 8. August 2009 by Mark Mit Tag(s) versehen: Business Punk, Hey Punk!, Kultur 2.0
Wenn ich eine Zeitschrift machen würde, die – ich zitiere hier im Originalton – eine Wirtschaftszeitschrift für bekennende Alpha-Tiere, die das „Bösesein“ zum Prinzip erhebt, werden soll, dann würden mir alte Freunde hoffentlich aufs Maul hauen. Nicht unbedingterweise, weil ich eine Wirtschaftszeitschrift mache, sondern weil ich auf dem, was an Phrasen aus meinem Maul kommt, hängen geblieben bin. Da hab ich es dann auch verdient, das man mich auf selbiges haut.
So weit ist das natürlich nicht bemerkenswert.
Sollte ich allerdings noch auf die Idee kommen, das Ding „Business Punk“ zu nennen, dann müsste ich mir noch eine Frage beantworten. Eine Frage, die bei einem solchen Titel zwangsläufig ist und die darauf abzielt, herauszufinden, ob da eine Ausgabe nur – haste mal, oder? – einen Euro kosten darf und ob es sinnvoll ist, als Gegenwert beim Kauf nicht angepöbelt und nicht angespuckt zu werden. Aber das nur am Rande, Deutschlands Wirtschaftselite ist bestimmt schlau genug, nicht für alten Wein aus neuen Schläuchen zu bezahlen.
Wenn die Hölle zufriert.

In Unkatzegoriert on 2. August 2009 by Mark Mit Tag(s) versehen: Heimat, It's called getting old, Persönliches & Alltag
Der habe auch immer gedacht, er könnte die Welt zerreißen. Sagt meine Mutter am Kaffeetisch, nahtlos anknüpfend an die Erzählungen von den Beerdigungen der letzten Woche. Da hätten sie zwei Klappstühle mitgenommen, denn wenn man nicht schon zwei Stunden vorher käme, wäre die Aussegnungshalle schon dermaßen voll, dass einem nur das Stehen übrig bleiben würde.
Der habe auch immer gedacht, er könnte die Welt zerreißen. Sagt mein Vater, als er erzählt von damals. Als sie in einer Cessna über das kleine Dorf flogen, dass sie Heimat nennen. Treu seinen schwäbischen Wurzeln habe der da beim Blick auf seinen kleinen Zuliefererbetrieb für einen Maschinenbauer in dem etwas größeren Städtchen den Berg hinab gescherzt, dass er da bei sich unten gar niemand arbeiten sehen würde. Das könne da ja nicht mit rechten Dingen zugehen. Ging es aber doch, in staubtrockenen Sommern, in denen ich dort mit Lötkolben und Schraubschlüssel meine Jugend absaß, konnte ich mich davon überzeugen.
Der habe auch immer gedacht, er könne die Welt zerreißen. Manchmal sitzt er auf der Terasse vor dem Haus und keiner weiß, ob er überhaupt noch etwas mitbekommt, von dem was war und von dem was ist. Besuche werden mit vorwurfsvollem Ton angemahnt und verlaufen in der Regel ereignislos.
Die Klappstühle stehen in der Garage, jederzeit griffbereit.
Für die alten Freunde, die Weggefährten und den ganzen Rest.
Man kannte sich schließlich.

In Unkatzegoriert on 23. Juli 2009 by Mark Mit Tag(s) versehen: Österreich, Blog, Persönliches & Alltag, Scheißdeutscher
Wenn draußen vor dem Fenster der Regen versiegt, langsam ein wenig — man verzeihe die krude Kombination der jeweiligen Wörter und ihrer Bedeutungen — der Sonne zum Vorschein kommt, dann könnte man anfangen, eine neue Geschichte zu erzählen. Nur wäre es allerdings unklar, von was diese handeln sollte. Von seltsamen Zeiten des Übergangs, in denen man nicht weiß, wo das sein soll, was man Zuhause nennt. Zeiten, in denen zur Ruhe kommen in etwa so wahrscheinlich ist wie qualitativ hochwertiges Schuhwerk bei Deichmann. Oder andere, wichtigere Sachen, die sich gefälligst mal zum Besseren wenden könnten.
Neben dieser Litanei an die Götter eines guten Lebens weiß ich natürlich auch noch eine unterhaltsamere Angelegenheit zu berichten. So wurde ich doch in einer Sache der Straßenverkehrsordnung zum ersten Mal in meinem Leben als Scheiß-Deutscher tituliert. Unter allen Völkern des Erdenrunds.
Na ja.
Irgendwo müssen die Zuschreibungen ja gepflegt werden, wenn sie nicht nur gelebt werden wollen.
Und wo wir bei Schreibungen sind, dieses Blog ist sehr ungepflegt, man könnte beinahe meinen, es stinke schon. Tut es aber nicht, es wartet — wie das unentdeckte Ei des außerirdischen Monsters in der letzten Einstellung vor dem Abspann — auf den zweiten Teil. Den zweiten Teil wovon?
Nun, wenn ich das wüsste, ich wäre schlauer.

In Unkatzegoriert on 15. Juni 2009 by Mark Mit Tag(s) versehen: Differenz, Habermas, Luhmann, Niklas Luhmann, Soziologie
Wenn ich mal groß bin und felsenfest davon überzeugt, anderen die Welt, wenn schon nicht erklären, dann wenigstens näherbringen zu können – vielleicht schlimmer noch: zu müssen – dann würde ich bestimmt Sätze schreiben, in denen ich Niklas Luhmann als den ‘Theoretiker mit dem über die Jahre indifferenten Sakko’ bezeichnen würde. Dafür müsste ich natürlich erstmal differenzieren, die einen ins Töpfchen, die anderen ins Kröpfchen, hier der Habermas, da der Antihumanist, was sich auch auf Antichrist reimt. Man sieht, einer wertenden Kategorisierung ist dabei kaum zu entkommen.
Zum Glück. Denn was sollten wir fragen, wenn es Antworten schon gäbe?

In Unkatzegoriert on 2. Juni 2009 by Mark Mit Tag(s) versehen: Heckscheibenaufkleber, Krise, Opel, Rüsselsheim
Opel-Fahrer haben offensichtlich Humor, angesichts der aktuellen Debatte eine bewundernswerte Mentalität. Oder wie sonst kann, soll und darf ich einen Heckscheibenaufkleber erklären, der in mit Lettern in Frakturschrift die ‘Waffenschmiede Rüsselsheim’ als Hersteller des Gefährts preist? Eine Form von subkultureller, milieuverhafteter Identitätsbildung wäre ein Ansatz, allerdings weigere ich mich zu glauben, dass dieser Zusammenhang auf einer solchen banalen Ebene liegt. Es muss ein Sinn für Humor sein, der Menschen zu so was und so was bewegt. Da bin ich felsenfest überzeugt.
Oder ander gesagt: Ich wäre es gerne.