Meer- oder Tunnelblick

Es war der Vierzehnte des Monats, und schon kam es ihm vor, als sei er mehr als eine Ewigkeit zurück. Er blickte auf sein Handgelenk: Seine Uhr tickte rückwärts, bald würde sie wieder an dem Moment ankommen, an dem er sie zum ersten Mal aufgezogen hatte und dem leisen Klacken der Zeiger lauschte. Tick Tack. Er konnte seinen Blick nicht abwenden, noch nicht einmal wenn er es gewollt hätte.

On a related note: Verzweiflung geht mit Verbundenheit oft Hand in Hand.

Watching you, watching me

Two key lessons emerge from history and psychology. One is that we must examine tyranny and resistance in tandem, never letting our concern with the one lead us to forget about the other. The second is that groups might sometimes be a source of tyranny, but they are always central to resistance. These conclusions raise two obvious questions – the questions which led us to undertake our study: First, when do people go along with oppressive groups? Second, when do people act as a group to challenge oppression? [...] Hence the idea for the BBC Prison Study was born. We began the nine-month period of planning an experiment that was powerful enough to address issues of tyranny and resistance but ethical enough to pass stringent professional tests.

Ist die BBC Prison Study [via] was anderes als Big Brother? So kategorisch gefragt.

Erst die Vorleistung, dann das sinnvolle Wirtschaften?

Wenn ich als Beifahrer meine, eine Abkürzung zu kennen, dann berufe ich mich zur Legitimation dieser Handlungsalternative immer auf die beidseitige Annahme, dass diese Abkürzung schneller zum Ziel führt. “Vertrau mir, ich kenn den Weg!” sag ich dann immer. Dieses Vertrauen ist die Grundlage, und bis heute habe ich meine Fahrer nie enttäuscht: Wir gondeln immer stundenlang über schmale Landstraßen, die Geier über uns kreisend, bis wir Stunden später an unserem Ziel ankommen. Meist ist es dann schon dunkel, die Gaststätten haben geschlossen und wir einen knurrenden Magen. Immerhin, ab heute kann uns dann die Bundeswehr retten.

Wenn ich mir das so überlege, ich sollte zum Investmentbanker umsatteln. Mein erster Anlagetipp wären Navigationssysteme. Die gehen immer wie warme Semmeln, egal ob sie was taugen. Ich muss es schließlich wissen, ich kenn den Weg.

Let that be a lesson to you, Kid.

“Hör auf die Mama, Julius! Ist kein Spiel, das Leben. Ich hab auch Kinder, da weiß ich Bescheid. Kein Zuckerschlecken, immer auf die Mama hören. Das Leben ist hart, da muss man aufpassen, sonst erwischt es einen, ich hab auch zwei, 18 und 21, ich weiß wie das ist.” sagte der Mann in der Warteschlange, Altglas in der Stofftasche.

Julius, etwa sieben Jahre alt und unter Missachtung der von seiner Mutter gegebenen Anweisungen gerade damit beschäftigt, eine Gitterbox neben der Supermarktkasse zu erklimmen, sah sichtlich irritiert aus. Als ob er plötzlich realisiert hätte, was die Mama immer meint, wenn sie davon spricht, dass er fremden Männern nicht zuhören solle.

Irgendwann is aber gut

Helmut Schmidt über die Weltfinanzkrise. Helmut Schmidt über Oskar Lafontaine. Helmut Schmidt über das Rauchen. Helmut Schmidt über den Abbau des Sozialstaats. Helmut Schmidt über den Raubtierkapitalismus. Helmut Schmidt über Deutschland. Helmut Schmidt über die Welt. Helmut Schmidt über Helmut Schmidt.

Ich über Helmut Schmidt: Häh?

Es gibt keine dummen Fragen

Nur mal schnell gefragt, so zwischen Tür und Angel und von Schuster zu Leiste: Wenn ich jemandem Beine mache, muss er mir dann auch Fersengeld geben?

Stay Tuned!

In den nächsten Wochen wird es etwas ruhiger hier werden. Wie lange dieser Zustand anhält, hängt von unbeeinflussbaren Umständen ab, von denen die eigene Motivation nicht der unbedeutendste ist. Ab und an werde ich da drüben kommentieren und dabei jede professionelle und unprofessionelle Distanz missen lassen. So weit, so gut. Wenn es wieder losgeht, dann wird hier was anderes stehen. Logischerweise.

Idiotische Äußerungen von Idioten

Ich will ja nicht meckern. Damit fangen Leute immer an, wenn sie doch meckern wollen. Aber ich will wirklich nicht meckern, und werde das auch nicht hinter dem Vorwand, erst durch politische Inkorrektheit die wahren Zustände ans Licht bringen zu wollen, tun. Denn politisch inkorrekt bedeutet erstmal keinen Freifahrtschein für Dummheit und Demagogie. Nein, jede Provokation sollte auch Aufforderung zum Diskurs sein, nicht eine vermeintliche Bestätigung der eigenen Vorurteile.

Wie das richtig geht, ohne das ich formal was zu meckern habe? So zum Beispiel.

Der Graf zahlt

Was das Archiv mit dem Vampirismus und anderen Untoten verbindet, ist die Idee eines unendlichen Lebens. Beide sind von dem Ideal unendlicher Wiederholbarkeit geprägt: Der Vampir, sofern er erfolgreich ist und seine tägliche Blutdosis erhält, wird mit dem ewigen Leben belohnt (oder meist eher bestraft) – genauso wie die archivierten Gegenstände und Bücher die jetzt Lebenden überleben sollen. Es ist die metaphysische Idee einer unendlichen Wiederholbarkeit, einer Idealität ohne Endlichkeit, die in der Populärkultur ein großes Faszinosum entfaltet und zum beliebten Stoff wird. Die Logik des Archivs wird gerade durch die Figur des Vampirs am besten repräsentiert.

Achtung: Neue Bibliotheksausweise [via] nur gegen Vorlage eines Kruzifixes.

Das Humorverständnis einer Kloake

Der schlimmste Humor ist nicht der deutsche, auch wenn eine solche These durchaus mit einer Vielzahl illustrierender Beispiele untermauert werden kann. Ebenso wenig ist der britische Humor der lustigste, auch wenn  - die Wiederholung sei verziehen - eine solche These ebenfalls mit vielerlei Beispielen illustriert werden kann. Nein, der beste Humor ist, wenn man trotzdem lacht, und der schlechteste Humor ist, wenn man über andere Leute lacht, die über andere Dinge lachen als die, über die man selbst lacht oder sich erlaubt zu lachen. Das wirklich und wahrhaftig Lustige dabei: das wissende Lachen der Verblendeten ist auch das eigene - gerade bei todernsten Angelegenheiten.

Lesbarkeit ist Verständlichkeit im Quadrat

Es lässt nach. Nicht nur die Sehschärfe, die ist schon seit der frühesten Kindheit sowieso mehr im inakzeptablen Bereich anzusiedeln - oft danke ich den Erfindern dieser leichten Brillengläser, nicht auszudenken, wenn ich mit zwei Flaschenböden vor den Augen mein Leben fristen müsste - sondern auch die Konzentration beim Lesen. Das findet zu einem großen Teil auf Bildschirmen statt, und gerade der Erwerb des ersten tragbaren Computers vor anderthalb Jahren scheint da viel beigetragen zu haben. Schlechte Beleuchtung, kleine Schrift und zuviel Zeit vor irgendwelchen Bildschirmen - kein Wunder, dass die subjektiv empfundene Anstrengung beim Lesen immer größer wird. Der Griff zu Strg+ ist schon beinahe Routine geworden, zum Glück merkt sich Firefox die bevorzugte Schriftgröße der besuchten Websites. Die Benutzung dieses Bookmarklets bei heller Textfarbe auf dunklem Hintergrund ist ebenso Standard. Ich überlege sogar, mir das auf eine griffige Tastenkombination zu legen.

Wie ich das mit dem Kleingedruckten auf Papier mache, muss ich noch überlegen.

Rot sehen, Schwarz treffen

So ungefähr um die Jahrtausendwende im Partykeller eines Freundes gesehene Wahlplaketten aus Blech, die noch aus den 60ern und 70ern stammten: Komm aus deiner linken Ecke! Vater, Mutter, Tochter, Sohn, alle wählen die Union! Und der Klassiker natürlich: Freiheit statt Sozialismus! Wobei ich bei letzterer Parole nicht weiß, ob die dazugehörige Plakette wirklich da hing oder nur bei mir die Grenze zwischen individuellem und kollektiven Gedächtnis etwas unscharf ist.

Beunruhigend: Seitdem scheint sich offenbar nichts geändert zu haben.

Auch die Wände?

“Es war ziemlich unübersichtlich”, erinnert er sich. “Die Zettel waren so zusammengequetscht, dass sie teilweise hinten aus den Kästen quollen. Es gab zerrissene Kalenderblätter mit Notizen, Rückseiten von Briefen, Fotos, gevierteilte Kinderbilder … - ja, Zeichnungen von seinen Kindern. Er muss alles beschrieben haben, dessen er habhaft werden konnte.”

Bald in einem Filmtheater in ihrer Nähe: Die Obsessionen [via] des Herrn Luhmann.