Damals in den Neunzigern, da gab es noch richtig gute Musik. Und die Punker waren alle noch rebellisch und nicht nur hohle Modepüppchen. Und mit Helmut Kohl gab es auch noch ein richtig gutes Feindbild. Denn seien wir mal ehrlich: so dummtrullig wie Angela Merkel ist, Frauen schlägt man nicht. Auch Teil der Neunziger war meine Jugend. Die bestand zum größten Teil aus Herumlungern auf dem Dorf, den Erwartungen der Eltern nicht gerecht werden und geistestötender Alltagsbanalität. Alles das was ich nicht wollte, stattdessen verbrachte ich Jahre in meinem Zimmer und las. Oder sah fern. Dabei hatten wir nur vier Programme: Tick, Trick , Track und Aldi. Da war es kein Wunder, dass ich irgendwann Parolen auf meine Jacke schmieren und die Haare färben musste. Als fünftes Kind hatte ich aber bei meinen im Nachhinein sehr toleranten Eltern keinen Erfolg. Die hatten schon Schlimmeres gesehen. Ich sah also anders aus, hörte endlich gute Musik, aber tat immer noch das Gleiche.
Das änderte sich auch mit dem Erwerb des Führerscheins nicht wirklich. Zwar wurden etliche Momente mit dem Habitus des jugendlichen Rebellen ausgefüllt, aber in hohem Grad gesellschaftsfähig war ich nie. Nett gesagt. Da ich das Glück hatte, auf eine weiterführende Schule in der nächstgrößeren Stadt zu gehen, blieben mir aus dieser Zeit nur die täglichen Autofahrten im Gedächtnis. Im Radio ein C90-Tape, auf der einen Seite Social Distortion, auf der anderen Samiam. Ich muss ganze Monate nur immer dieses eine Tape am Stück gehört haben.
Das Tape – und das Auto – haben mich nicht weiter begleitet, dafür einige sehr gute Freunde aus dieser Zeit; und natürlich die Musik. Heute kann ich gelassener darauf zurückblicken, nostalgische Gefühle speisen sich eher aus den Erfahrungen mit meinen Freunden und meiner Familie. Der Ort ist unbedeutend, Alltagsbanalität ist überall. Wie singen Superpunk? Bleib deinen Freunden treu. Das ist was zählt.
Es sei denn deine Freunde sind Arschlöcher. Dann sieh zu, dass Du da rauskommst. Schnell.


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