Ich erinnere mich, mal spät nachts auf Arte einen kurzen Beitrag über innovative, zukünftige Ausdrucksformen des Graffitis gesehen zu haben. Darunter ein Graffiti-Artist, der mittlerweile mittels Langzeitbelichtung und verschiedenfarbigen Taschenlampen Fotos macht, auf denen Lichtspuren – die Graffiti-Ästhetiken aufgreifend – Bilder in die Bilder gezeichnet haben. Sehr faszinierend, und leider hab ich mittlerweile seinen Namen vergessen. Im Zusammenhang wurden auch Throwies gezeigt, wer nicht weiß was das ist, hier die kurze Beschreibung aus der Wikipedia:
„Ein LED Throwie (engl.) ist ein kleiner, aus einer LED, einer Knopfzelle und einem Magneten bestehender Leuchtkörper, welcher auf Metalloberflächen an öffentlichen Orten geworfen wird, dort haften bleibt und dadurch eine ähnliche Wirkung wie Graffiti an der besagten Stelle hinterlässt.„
Sozusagen die mikroelektronische Variante der urbanen Verschönerung / Bereicherung / Rückeroberung / Whatever. Einer der bekanntesten Artists ist Peter Berdovsky aka Zebbler, der vor kurzen für eine Marketingkampagne angeheuert wurde; und zwar sollte er für die kommende Kinoverfilmung der Zeichentrickserie Aqua Teen Hunger Force in Boston (und wahrscheinlich später auch in anderen Städten) seine Throwies verteilen. Also alles schön viral und so. Hat er auch gemacht, mit Folgen: fast ganz Boston war wegen Terrorverdacht lahm gelegt, und er muss sich gerichtlich dafür verantworten. Mittlerweile wird das von vielen amerikanischen Medien als terror hoax bezeichnet.
Von solchen Marketingkampagnen mag man halten was man will, aber das ist meilenweit überzogen. Um nicht zu sagen dumm. Hier sieht man bei jeder Kirmes 12-jährige Kinder mit irgendwelchen blinkenden LED-Dingern in der Hand, an der Kleidung oder sonst wo. Einer meiner Freunde hat auch die Angewohnheit, diese Dinger – Gott bewahre – in den Mund zu stecken, weil das so schön leuchtet. Und ja, er ist schon seit langem erwachsen und noch mal ja, die Dinger gibt es auch noch mit Ton. Derbe abgefahren, was?
Also, was soll das Ganze? Gab es niemanden, der in diesem eskalierenden Prozess einmal innegehalten und sich gedacht hat: Hey, das war nur ein verunglückter Marketing-Stunt? Offenbar nicht. Kollektive Paranoia vs. gesunden Menschenverstand, in der 5vor12ten Minute Spielstand 1:0. Wär ja lustig, wenn nicht gleichzeitig die Bürgerrechte den Bach runtergehen würden, und damit mein ich kein Flüsschen; eher einen reißenden Strom.
Andererseits, das wird den ganzen kulturverpestenden Viralmarketern einen schönen Dämpfer verpassen. Das ist dann wohl die gute Seite der Münze – auch wenns nur ein 5-Cent Stück ist. Mehr dazu gibts beim Bootsektor und auch Wil Wheaton hat einen passenden Kommentar parat. Bombige Stimmung also in Boston, da hilft auch kein Working 3rd Class Streetpunk mehr.
Und sorry für das schlechte Wortspiel im Titel, ich konnte nicht anders.
Update: Wil hat noch mal nachgelegt.


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