Mein Medienpartner mit der kalten Schnauze

Fritz vom Bootsektor schreibt heute über dumm gelaufene Marketingstrategien und bringt dabei eine eher unangenehme (fragt sich nur für wen) Anekdote aus seiner Zeit bei der seligen PowerPlay. Genauer geht es um einen Teil der Command & Conquer-Reihe, von dem keine Vorab-Testversionen rausgingen:

Die PP-Redaktion ging einen anderen Weg und besorgte sich einen der vielfach kursierenden Downloads, von fürsorglichen Westwood-Mitarbeitern vor dem Erscheinungstermin ins Netz gestellt. Mein Testergebnis fiel eher bescheiden aus: mittelmässige Grafik, Schwächen in der Spielbalance, im Ganzen eine Enttäuschung. Der Vertrieb Electronic Arts sperrte daraufhin Bemusterung mit Infos und Software sowie alle Anzeigen für drei Monate.

Dafür wurde wohl das Wort Medienpartner erfunden. Ein Wort, welches nicht mal im Duden steht, jedenfalls nicht in der normalen Ausgabe. Ein Wort, welches die Grenze zwischen journalistischer Berichterstattung und der Assimilation in einen übergeordneten Komplex von Ökonomie, Konsum und Marketing zunehmend unschärfer macht.

Ein Wort, welches noch nicht Unwort des Jahres war, es neben Humankapital und Ich-AG aber durchaus verdient hätte. Ein Wort, das sich in bestimmten Kreisen auch gerne hinter Begriffen wie Musikfreunde und Streetteam versteckt - aber trotzdem ob seiner hässlichen Visage unverkennbar bleibt. Eurozeichen in den Augen, die Nase gepudert vom Koks und den Schnurrbart akkurat nach dem neuesten Furz gezwirbelt. Professionell sieht anders aus.

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