Ich habs im Fernsehen gesehen
David Bordwell schreibt darüber, warum Filme auch dann funktionieren, wenn man sie ein zweites Mal sieht. Eine berechtigte Frage, die aber selten gestellt wird. Komischerweise auch nicht von mir, und da sind einige Filme auch schon im zweistelligen Bereich. Bordwell führt das auf tiefenstrukturelle Prozesse im Bewusstsein zurück: es gebe eine Firewall, die zwischen dem kognitiven Wahrnehmen und dem Gedächtnis und Wissen über die Welt den Durchgang regelt:
“A great deal of what contributes to suspense in films derives from low-level, modular processes. They are cognitively impenetrable, and that creates a firewall between them and what we remember from previous viewings.“
Ob diese Firewall eine evolutionäre Entwicklung ist, die im Prozess der Anpassung an die Umwelt entstanden ist oder etwas, das wir durch Sozialisierung internalisieren, das lässt Bordwell offen. Aber er wagt gleichzeitig einen – vielleicht erschreckenden – Schritt, der Filmsprache weiter als komplexe Anordnungen und Strukturen darstellt:
“Many of these cues don’t merely guide our attention to the critical suspense-creating factors in the scene. These cues are arresting and arousing in themselves. They trigger responses that, in the right narrative situation, can generate suspense, regardless of whether we’ve seen the movie before.“
Durch das richtige Einsetzen und die richtige Anordnung und Beziehung untereinander von visuellen, akustischen und narrativen Elementen entstehen Filme, die immer wieder anschlussfähig sind: gutes Handwerk wirkt also nach. Das Erschreckende ist nur, wenn wir das weiter denken. Denn generell könnte man dann jede Form der Kommunikation unter diesen Vorgaben sehen. Gezielt eingesetzte cues würden da ungeahnte manipulative Möglichkeiten erschließen. Aber einen Trost gibt es doch: mit unserem Wissen können wir diese Reaktionen verorten und in Bezug setzen. Unter der Bedingung, das unser Wissen genügend ausgebildet ist, natürlich. Also doch nicht ganz so düstere Aussichten.
Immerhin ist damit aber eine alte Differenz erklärt: das schwache Fleisch und der willige Geist, aus dem Bauch heraus durch den Kopf gehen und alle anderen binären Gegensatzpaare. Und ich kann auf niedere Unterhaltung flashen, das dann aber gleichzeitig in Frage stellen. Das schlechte Gewissen somit kultivieren. Großartig.
