Pan’s Labyrinth

2007 März 11

Gesehen und toll gefunden. Dabei ganz vergessen, noch das analytische Auge aufzuklappen. Das ist aber vielleicht auch das, was einen wirklich guten Film auszeichnet: dass ich dabei vergesse, ihn zu analysieren. Und direkt in die Geschichte gezogen werde. Eskapismus, wie er im Kino selten noch vorkommt.

Nicht verwunderlich, ist Eskapismus doch auch ein großes Thema beim letzten Streich von Guillermo del Toro: den Wirren und der bedrückenden Gewalt der spanischen Nachkriegszeiten entflüchtet die kleine Ofelia in eine Fantasiewelt, die immer wieder die wirklichen Ereignisse gebrochen widerspiegelt. So erzählt Pan’s Labyrinth einerseits eine Märchengeschichte, ist andererseits aber auch eine poetische Erklärung für unser Bedürfnis nach eben solchen Märchen. In einer Welt, in der nicht immer die Guten überleben, braucht es einen Zufluchtsort. Einen Ort kindlich-unschuldiger Reinheit, der nicht von Politik, Krieg oder Hass korrumpiert ist.

Im Pendeln zwischen diesen beiden Extremen – der expliziten Darstellung der Gewalt, die durch Francos Truppen in Spanien ausgeübt wurde und dem märchenhaft-verzerrten Abbild – gelingt es Pan’s Labyrinth, uns aus dieser grauen Welt zu entführen. Und natürlich werden wir am Ende wieder auf den Boden der realen Grausamkeiten zurückgeholt und die Illusion als solche wird zerstört.

Oder etwa nicht? Kleine Hinweise lassen uns daran zweifeln, dass alles Fantasie gewesen sein soll. Wie sonst könnte Ofelia aus ihrem Zimmer geflüchtet sein, wenn nicht die magische Kreide ihr eine Tür geöffnet hätte? Und somit reflektiert Pan’s Labyrinth gleichzeitig die Magie des Films – das make believe des durch den Projektor rasselnden Zelluloids. Wenn Ofelia in ihre Fantasiewelt flüchtet, sehen wir uns selbst im Kinosessel, dessen Türen fest geschlossen, wir selbst im Dunkel. Momentan in einer anderen Welt – die auch nach dem Abspann hoffentlich hoch nachhallen wird.

4 Responses leave one →
  1. 2007 August 13
    Sophia permalink

    pans labyrinth ist wundervoll fantastisch und märchenhaft die figuren sehen schön und fantasievoll umgesetzt. der Pan sowohl als auch die Alben oder Elfen genannt wurden toll erstellt.Bis auf die Brutalszenen ist er ein fantastischer film für jeden der die Fantasie in seinen Träumen und Gedanken miterlebt und die Kulisse ist zauberhaft.

  2. 2007 August 13

    Hi Sophia: Hab deinen doppelten Kommentar mal gelöscht.

    Ich finde, dass gerade durch die Gegenüberstellung des Fantastischen mit dem (grausamen) Realen der Film erst seine Wirkung voll entfaltet. Also eher an Erwachsene gerichtet ist, die die politischen Zusammenhänge auch verstehen können.

  3. 2007 September 7
    littleHulk permalink

    Hallo

    “Pan’s Labyrinth” hat mir auch sehr gut gefallen, selten einen so tollen Fantasyfilm gesehen. Ich würde den Film zwar wegen der Gewaltszenen nicht gerade Kindern zeigen, aber die Zielgruppe sind ohnehin Erwachsene. Auch sehr schön, dass der Film kein Hollywoodding ist, sonder eine europäische Produktion.

  4. 2007 September 8

    Erstaunlich, dass man den Film leicht übersehen kann im Einheitsbrei, den man aus LA etc. vorgesetzt bekommt, ist er doch verliebt-grotesk, subtil überraschend und fantastisch. 3 Oscars, zurecht. Ab 16, für alle Jüngeren: Finger weg. Lohnt!

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