Revisited: A Hero Never Dies

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Organisiertes Verbrechen. Freundschaft. Verrat. Ehre. Gesicht. Gesicht. Ja, auf das läuft es hinaus, natürlich nicht das anatomische Gesicht, sondern auf das in der chinesischen Kultur so wichtige Gesicht, Ehre, Ansehen und Ruf. Das muss um jeden Preis gewahrt werden, besonders wenn man Gangster von Beruf ist. Dies ist in unzähligen Filmen verarbeitet worden und diese Gangstergeschichten wurden auch schnell zu einer eigenständigen Gattung, wobei John Woo mit A Better Tomorrow 1986 den wohl reinsten Vertreter des Heroic Bloodshed-Genres drehte.

Ehe man sich versah war die damals boomende Filmindustrie Hongkongs mit Filmen aus diesem Genre überflutet, was zusammen mit der Rezession der Filmindustrie dazu führte, dass seit Mitte der 90er das Heroic Bloodshed-Genre nur noch im B- und C-Movie-Bereich existierte. Mit A Hero Never Dies kam 1998 dann Johnnie To und hat dem sterbenden Genre dann noch das Grab geschaufelt. Und gleichzeitig einen der besten Filme dieses Genres hervorgebracht. Das mag sich ambivalent anhören, ist aber nun mal so: A Hero Never Dies funktioniert als reiner Heroic Bloodshed-Film ebenso gut wie als Genredekonstruktion.

Die zwingende Neudefinition hat To später dann auch gleich noch übernommen, hat mit The Mission das Genre auf eine neue Stufe gehoben, virtuos die erstarrten Grenzen des Triadenkosmos filmisch umgesetzt und in das zwangsläufige Ausbrechen und Unter- beziehungsweise Umgehen der Regeln münden lassen. Doch das war The Mission und wir sind hier im Gestern, sprich bei A Hero Never Dies. Hier zählt noch das Schwelgen in Klischees und die ach so wichtige Ehre.

Jack und Martin sind beide die treibende Kraft in einem Bandenkrieg. Und wenn ihre jeweiligen Bosse diesen bis zum Tod austragen wollen, macht man das auch. Und kein geschwätziger Wahrsager sollte die Chefs dumm anmachen, sonst kriegt er eine Kugel in den Fuß. Beide stehen auf unterschiedlichen Seiten, aber dennoch ist der gegenseitige Respekt größer als die Integrität ihrer Bosse, denn die verraten schließlich beide. Rache folgt.

Die Seelenverwandheit der Protagonisten wird köstlich dadurch in Szene gesetzt, dass beide zu unterschiedlichen Zeiten gegen die gleiche Palme urinieren und mit ihren jeweiligen Untergebenen (die natürlich auch ihr Wasser abschlagen, wenn der Big Brother das tut) die fast wortwörtlich gleichen Dialoge führen. Auch beinhaltet die gegenseitige Ehrerbietung crashende Autos, wenn man sich auf der Strasse begegnet. Und Rückwärtsgang. Und noch mal. In der Kneipe wird dann in einem freundschaftlichen Wettstreit mit Münzen nach Weingläsern geworfen. Dabei zeigen beide Fähigkeiten, die den Harlem Globetrotters das Wasser, oder besser den Wein reichen könnten. Ja, Jack und Martin sind definitiv Helden, nicht solche Jammerlappen wie ihre Bosse, die sind ängstliche Schlappschwänze oder geile Böcke.

Demzufolge schließen die sich auch zusammen und verraten dabei ihre Kriegslords, welche dann ohne Beine beziehungsweise schwer verletzt im Krankenhaus landen. Hier kommen dann Frauen ins Spiel. Moment! wird da mancher sagen, Frauen in diesen Filmen sind normalerweise Prostituierte, Erlöserfiguren oder Gründe für gegenseitigen Bleiaustasch, aber nicht eigenständig handelnde Figuren. Keine Angst, die Frauen übernehmen zwar auf den ersten Blick emanzipierte Aufgaben, sind dabei aber doch nur der verlängerte Arm der Ehre ihres Mannes.

Die Ironie kommt, wie bei Johnnie To gewohnt, nicht nur in der Handlung zum Vorschein. Auch auf der visuellen Ebene wird ein Zitatenkonglomerat aufgefahren, das nicht zuletzt an den Pionier dieses Genres, John Woo, erinnert. Dabei schafft es To, in den Shootouts noch ästhetischer als Woo zu werden. Da splittert Glas, dass es eine wahre Freude ist oder die Szenerie ist in ein tiefes Blau getaucht, durch das die roten Ziellaser wie Messer schneiden. Auditiv regieren auch die bewährten Strukturen: das immer wiederkehrende Thema ist eine Variation des japanischen Songs Sukiyaki (Rex Gildo hat das damals ´63 auf deutsch gecovert, glaub ich) und zieht sich durch die dramatischen Szenen wie der sprichwörtliche rote Faden, unterstützt dabei vollkommen die Intention der Dramatik.

Trotz aller Klischees und Ironie driftet To doch niemals in tumbe Parodie ab, vielmehr erkennt man wie sehr er dem Genre verhaftet ist und es respektiert. Denn fast nirgends wird heroischer und liebevoller Blut verschüttet als hier.

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