…und seine meisterliche Beherrschung des globalen Medienspiels. Oder so ähnlich. Wäre eine passendere Überschrift für diesen Zeit-Artikel. So sehr ich es gut finde, dass mal über die eigene Rolle nachgedacht wird, man bleibt immer selber Teil davon.
“Sensationalisierung, Simplifizierung, Emotionalisierung sind nicht zufällig die dominierenden Prinzipien der globalen Industrie geworden. Zwangsläufig leiden darunter Kontext und Differenzierung. Es sollte ebenfalls kaum noch der Erwähnung bedürfen, dass demokratische Staaten in diesem Propagandakrieg die schlechteren Karten besitzen, als totalitäre Gesellschaften ohne freie Medien.“
Die ersten beiden Sätze kann ich so unterschreiben, die Abhängigkeit vom Populären und seinen Inszenierungsformen bedingt eben immer eine gewisse Vereinfachung. Wenn man es nett umschreiben will. Aber so treffend diese Sätze und auch der Rest des Artikels sind, den letzten Satz da oben muss man einfach als unüberlegt bezeichnen. Wenn man nicht sogar schlimmere Geschütze auffahren will.
Denn die Argumentation liegt hier auf der Seite des Publikums, das eben nur das sieht und sehen darf, was eine totalitäre Gesellschaft vorgibt oder an medialen Ereignissen produziert. Und da liegt der Punkt begraben: die emotionale Berichterstattung, die im Artikel kritisiert wird, wurde in keinster Weise von einem totalitären, streng kontrollierten Mediensystem geliefert, sondern von der Königin der freien Presse, der BBC selbst. Und dieses Mediensystem hat in seinen Operationen einen entscheidenden Vorteil: die Option der Entscheidung über die Form der Berichterstattung. Die bleibt den iranischen oder meinetwegen auch nordkoreanischen Medien versagt. Haben dadurch diese totalitären Gesellschaften die besseren Karten?
Möglicherweise - wenn die Kommunikation nach innen gerichtet wird. Aber wie die so genannten freien Medien darüber berichten - welche Karte gespielt wird - das bleibt ihnen immer noch selbst überlassen. Genau so wie es mir überlassen blieb, relativ frei mit dem Begriff des Totalitären umzugehen. Und da vielleicht daneben zu greifen. Aber besser als nicht zu können.

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