Metal war schon immer mehr als nur düster dreinschauen und ins Mikro bellen, wie es viele dieser neumodischen Metalcore-Kapellen so praktizieren. Da ist eher veganes Geboller als pathetisch-peinliche Lyrik angesagt, aber für diese ernsten Sachen im Leben gibt es Punkrock, für die spassigen Metal. Was mitunter auch ein Grund ist, warum mir da die Klassiker da lieber sind. Die kann man liebevoll als Muppetshow auf Droge sehen; und auch die gestreckte Faust kann mit unpeinlicher Freude in die Luft gereckt werden.
Vielleicht kann man das auch nur verstehen, wenn man wie ich auf dem tiefsten Land aufgewachsen ist. Da war man auch als derbster Rabauke immer noch meilenweit weg von dem was man wirklich unter wildem Leben versteht. Und da passt Metal gut rein, der ist von vornherein als falscher Schein konzipiert. Ideale Projektionsfläche für ländlichen Freiheitsdrang. Da konnte es auch nicht ausbleiben, dass manche meinten, den Metal jetzt mal so richtig leben zu müssen. Das ging natürlich dermaßen in die Spandexhose, das die Mitwirkenden heute nur noch als derangierte Affen durch die Gegend laufen. Ich rede da explizit mit euch, Mötley Crüe.
Aber es war ein Zeichen für das Ende einer Ära, als ich feststellte, dass die besten Metalbands nicht real waren. So zum Beispiel Spinal Tap. Fiktiv, aber Metal in seiner reinsten Lichtgestalt. Was sollte da noch mehr kommen? Lemmy? Der war eh immer außen vor und zu cool für Metal. Und Manowar nichts anderes als ein schlauer Marketingtrick, inspiriert durch die Heiligkeit von Spinal Tap. Und die spielen demnächst eine Show, genauer am siebten Juli, im Rahmen der Live Earth-Konzerte. Die sind zwar Gutmenschentum und Gewissensstreichelei in ihrer schlimmsten Form, aber hey, es ist Spinal Tap! Die Spinal Tap, deren Verstärker bis elf gehen.
Also spreiz ich flink die Fingerchen zum Teufelshorn und stelle leider fest, das Metal nie so gut war wie in meiner Fantasie. Verdammt aber auch. Wenn ich das früher gewusst hätte, ich wäre nie aus dem Haus gegangen.

