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Eskapismus

In Unkatzegoriert on 20. Mai 2007 by Mark Mit Tag(s) versehen: ,

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich The Amazing Adventures of Kavalier & Clay noch nicht auf meiner Gelesen-Liste verbuchen kann. Und sich auch noch kein Exemplar davon in meinem Besitzstand befindet. Dabei müsste doch schon der Klappentext ausreichen, mich das im Bücherladen mitnehmen zu lassen. Komischerweise ist das noch nicht passiert. Ein Wunder eigentlich, denn auch der Wikipedia-Eintrag weiß mich in seiner offensichtlich übertriebenen Korrektheit des Ausdrucks zu reizen:

Er schildert das Leben der beiden jüdischen Cousins Josef Kavalier und Sammy Klayman in der goldenen Zeit des Comics in den 40er Jahren. Innerhalb des Buches kreieren sie eine fiktive Comic-Reihe Namens Die unglaublichen Abenteuer des Eskapisten, in der der Superheld, der Eskapist, über die Fähigkeit des Eskapismus’ verfügt.

Ähnlich wie auch bei dem Zusammentreffen von Orson Welles und Superman wird da scheinbar auch mit unterschiedlichen Graden der Realitätsreflexion hantiert, den vieles was in dem Roman vorkommt scheint direkt und indirekt von realen Ereignissen und Zusammenhängen inspiriert. Die Fiktion der Fiktion wenn man so will. Noch ein Grund mehr zum Lesen; und noch ein Grund mehr, mich mal wieder zu fragen, wieso ich Sachen wie die William Shatner-Biographie im Regal stehen hab. Wenn ich doch auch ein viel versprechendes Buch wie Kavalier & Clay hätte mitnehmen können. Ich muss in diesem Moment wohl ferngesteuert gewesen sein, andere Erklärungen scheinen schwierig.

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Deswegen bleibt mein Kommentar hier nur auf das beschränkt, was danach kam: verschiedene Comic-Adaptionen, wobei Adaptionen nicht unbedingt das passendste Wort ist, denn diese Comic-Serien knüpfen an die Fiktion innerhalb der Fiktion an. Können somit nur auf einer mehr oder weniger tiefen Ebene der Fiktion gedacht werden. Eine Geschichte, die von einer Geschichte erzählt, die wiederum woanders aufgegriffen wird und dort weitererzählt wird. Eine davon ist The Amazing Adventures of the Escapist. Eine Reihe, welche titelgemäß die Abenteuer des Eskapisten zum Thema hatte. Und die auch die erste unter den Nachfahren war, wenn auch nicht besonders langlebig. Bald wurde sie wegen mangelnder Verkaufszahlen eingestellt.

Eine andere ist The Esacpists aus der Feder von Brian K. Vaughan, sein Blog findet man hier. Aus der stammen auch die wunderbaren Panels in diesem Beitrag. Da geht es, analog zum Roman, um einen jüdischen Comicnerd, der seinen Traum wahr machen will: Die Reanimation seiner liebsten Comic-Reihe. Was er auch schafft, indem er – schon durch den frühen Tod des Vaters geprägt – mit der Lebensversicherung seiner verstorbenen Mutter die Rechte daran erwirbt. Dreimal darf man raten, welcher Charakter das ist. Obwohl einmal schon reichen würde: der Eskapist.

Mittlerweile kann ich kaum mehr feststellen, auf welcher Ebene des Fiktiven man sich im jeweiligen materialisierten Ausdruck dieser Geschichte und ihrer Geschichten befindet. Denn in The Escapists werden die restlichen Stories aus der vorangegangenen Reihe als Geschichten in der Geschichte verwendet. Und bilden dabei im Wechselspiel mit der umgebenden Handlung eine Hommage an die Faszination von Comics, an die Hingabe der Autoren und Zeichner ebenso wie an das großäugige Staunen der Leser. Und schafft es somit innerhalb dieser kleinen Vierecke eine Geschichte zu erschaffen, die für sich steht, aber nie alleine. Es ist schön, wenn man auf jeder Seite die Wertschätzung dessen spüren kann, was das Medium ausmacht. Die Geschichte. Auch wenn sie nur die Geschichte einer Geschichte ist.

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The Escapists gibt es leider nicht als Sammelband, also muss man sich zurzeit wohl mit den Einzelausgaben begnügen. Das dürfte aber bei nur sechs davon nicht zu aufwendig werden. Und noch mehr Geschichten zweiten oder dritten Grades dürfen wir in der angekündigten Filmversion des Originalromans erwarten. Und um meiner Kredibilität willen sollte ich den Roman bald mal lesen. Kann ja nicht angehen sowas.

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