Richard Schickel, Filmkritiker für das Time Magazine, nimmt sich hier der Kritik im Allgemeinen und der Film- und Buchkritik im Besonderen an. Nicht jeder sei ein Kritiker, so lautet seine These, passenderweise durch den Titel schon vorweggenommen. Vor einer eher fragwürdigen Wortwahl schreckt er dabei auch nicht zurück. Das wird schon in seinem fundamentalen Argument deutlich:
„Criticism — and its humble cousin, reviewing — is not a democratic activity. It is, or should be, an elite enterprise, ideally undertaken by individuals who bring something to the party beyond their hasty, instinctive opinions of a book (or any other cultural object). It is work that requires disciplined taste, historical and theoretical knowledge and a fairly deep sense of the author’s (or filmmaker’s or painter’s) entire body of work, among other qualities.„
Da muss ich dann auch gleich mal dagegenhalten. Es ist klar, dass eine fundierte Kritik mehr sein muss als die postulierte Äußerung der eigenen Geschmackspräferenzen. Auch ist klar, dass eine fundierte Kritik kohärent und in sich logisch aufgebaut sein muss. Allgemeingültigkeit und ein genereller Konsens können allerdings, und das scheint das große Problem von Herrn Schickel zu sein, niemals die ubiquitären Bestandteile von Kritik sein. Dazu ist Kritik zu sehr der individuellen Ideologie – nicht unbedingt einer politischen – und Sozialisation geschuldet.
Die oben genannten Punkte, historisches und theoretisches Wissen unter anderem, mögen vielleicht dem qualitativen Niveau einer Kritik zuträglich sein, sind aber zu sehr im Feld der analytischen Betrachtung verortet, um als primäre Legitimationsinstanzen gelten zu können. Und offenbar stört Schickel vor allem der demokratische Aspekt, der dann hervortritt, wenn Kritiker eben nicht mehr ein kleines Häufchen von Individuen mit kapazitärem Wissensschatz sind. Sondern jeder Kritiker sein kann. Und jeder das Recht dazu hat.
„And they need to prove, not merely assert, their right to an opinion.„
Über indifferente Aussagen von Geschmack oder Gefallen müssen wir hier gar nicht reden. Weil die nicht der Kern guter Kritik sind: die eigene Begründbarkeit im Horizont der umgebenden Kultur ist es. Und da ist ein exklusiver Kritikbegriff fehl am Platz und, mit Verlaub, ein großer Haufen Scheiß. Das eigene Recht muss vorraussetzungslos gelten und nicht erst bewiesen werden.
Über das Ob einer guten und schlechten Kritik können wir uns dann gerne unterhalten, aber bitte ohne die elitäre Fratze des Distinktionsdenkens.
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