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Links ist da wo der Daumen rechts ist

In Allgemeines on 17. Juni 2007 by Mark Mit Tag(s) versehen: ,

Wenn das, was ich gestern in der hiesigen Fußgängerzone gesehen habe, der Gradmesser für den zukünftigen Erfolg oder Misserfolg der Linken bei den kommenden Wahlen ist, dann, meine Freunde, sieht es nicht sehr rosig aus für Oskar und Gregor. Platziert zwischen der sich rhetorisch christlich gebenden Tierrechtssekte und einer obskuren Einzelperson, die in Vertretung irgendeiner Gruppierung Flugblätter für Pazifisten, Intelligente und Analytiker verteilte. So stand es zumindest darauf gedruckt, und auch die in großen roten Lettern angeprangerte Praktik des katholischen Aberglaubens in Brasilien und Bayern [sic!] wusste zu gefallen. Bei der eigenen Namensgebung hörte der Spaß dann aber auf, denn wenn es ein prägnantes Oxymoron gibt, etwas das sich gegenseitig ausschließt, dann ist das eine Bezeichnung wie Freie Christen.

Dazwischen also die wenigen Aufrechten der örtlichen Linkspartei, die angetreten waren, dem politikverdrossenen Volk die Samstagflaniererei mit so brisanten Themen wie sozialer Gerechtigkeit und Ungleichverteilung zu bereichern. Erfolg oder gar Gegenliebe konnte ich in meiner ungefähr fünfminütigen Observation nicht erkennen. Das sind nicht die Richtigen für Dich, die sind nicht gegen Ausländer, so hörte ich die Begleitperson eines im Elektrorollstuhl vorbeirollenden behinderten Mitmenschen zu diesem sagen. Ein Ausdruck von Gegenliebe, oder zumindest Sympathie, zum dargebotenen politischen Inhalt war also nicht zu erkennen. Und so bitter es ist, diese fehlende Akzeptanz der politischen Agenda der Linkspartei und mehr noch, die fehlende Bereitschaft, alles was rot ist überhaupt als wählbare Alternative anzuerkennen – alles was ich da beobachten konnte – lässt nur einen Schluss zu. Dass es die Linkspartei schwer haben wird, zumindest in dieser Gegend hier, in der die SPD immer noch für den kleinen Mann ist, um es mit den Worten von Rainald Grebe zu sagen. Und der sieht nicht über die Mauer rüber, denn da ist der Osten, und aus dem kommt nichts Gutes. Scheuklappen wäre dafür ein gutes Wort, allerdings müssten die groß sein wie Scheunentore. Soviel zur Reflektion des Politischen hier, in den Gefilden unterhalb der Datumsgrenze, wo man lange gerne gestern lebt.

Nach zweieinhalb Stunden in der Innenstadt hatte die Freundin dann einen passenden und gefallenden Hosenanzug gefunden, und bei Gott, sie sieht gut aus darin. Und wenn ich eine solche Frau haben kann, dann kann vielleicht auch die Linkspartei. Da ich aber leider keine Ahnung habe, was die Freundin an mir findet, hüte ich mich mit Prognosen.


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