Archiv für Juli 2007

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Verlorene Jungs

In Allgemeines on 28. Juli 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: ,

Aufwachsen in den 80ern, dem Zeitalter der hochgekrempelten Jackettärmel – Nadelstreifen wohlgemerkt – und Betamax-Videorekordern, dürfte für jeden der als Teenager auch nur einen Hauch der damaligen Popkultur mitbekommen hat untrennbar mit zwei Gesichtern verbunden sein.

Das eine sieht etwas aus wie eine zerknautschte Stoßstange. Nicht gerade das, was man symmetrisch nennen würde, aber doch mit einem gewissen Zug an romantischer Rebellenkante, um zahlreich die Träume von gerade den Pferdecomics entwachsenen Mädchen zu bevölkern. Das andere ist eher ein Allerweltsgesicht, wie eben die amerikanischen Highschool-Jungs in Filmen immer aussehen. Leicht bulldoggig in seiner menschlichen Ausprägung, aber doch liebenswert. Trotzdem den zukünftigen Drogenkonsum des abgehalfterten Kinderstars schon auf die Stirn geschrieben.

Kein Zweifel, von welchen Gesichtern hier die Rede ist. Von denen von Corey Feldman und Corey Haim, die damals groß waren wie leuchtende Sterne am Nachthimmel, hochgestiegen waren ins Firmament und mit The Lost Boys einen glühenden Schriftzug in dasselbige schrieben. Die heute aber eher so was wie das hier sind:

After a long hiatus, the „Two Coreys“ are finally reunited when Corey Haim comes to stay with his best friend, Corey Feldman, and his wife, Susie. But a lot has changed in the years they have been apart–Feldman is married, a devout vegetarian, animal activist, and a non-smoker. Haim, still single and a committed carnivore, finds himself at odds with Feldman’s new lifestyle and struggles to adjust to the rules of the house. The tension peaks when Haim disrupts an important dinner meeting between the Feldmans and a PETA representative.

Ja, das ist die Inhaltsangabe einer Reality-Doku-Irgendwas-Serie namens The Two Coreys. Womit mal wieder bewiesen wäre, das nichts, was man sich nachts vor dem Fernseher im müden Kopf ausmalt, sicher ist vor der Manifestation im Realen. Oder im inszenierten Realen. Oder rein im Inszenierten. So genau kann man das da gar nicht wissen.

Fehlen eigentlich nur noch Christian Slater und Charlie Sheen als sarkastisches Moderatorenpaar und der Traum wäre perfekt. Leider kann man nicht alles haben – oder wiederhaben. Die verlorene Kindheit schon gar nicht.

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Das Ende ist nah

In Allgemeines on 27. Juli 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen:

Aus den Boxen neben mir trommelt countrylastiger Indiepoprock, countrylastig wegen der unnachahmlichen Melancholie, die die guten Songs dieses Genres immer mit transportieren. Einsam auf der Landstraße, von der Frau und der Welt im Stich gelassen, Zigaretten und die halbleere Flasche Southern Comfort die letzten Freunde.

Aber der Tanz geht weiter, forever wie es dann immer so schön heißt, wie auch die Straße sich bis in die Unendlichkeit erstreckt. In Wirklichkeit aber knapp hinter dem Horizont zu Ende ist. Für diese Strecke bräuchte man zwar, theoretisch geschätzt, noch etwa 12 Millionen Jahre, aber trotzdem kann man sich schon mal dem Gefühl des Ankommens nähern. Wenn nur das Benzin für den rostigen Pick-Up nicht ausgeht. Und einen die Bullen nicht vorher erwischen.

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Tränen im Regen

In Allgemeines on 26. Juli 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: , ,

Electric Sheep is a free, open source screen saver run by thousands of people all over the world. It can be installed on any ordinary PC or Mac. When these computers „sleep“, the screen saver comes on and the computers communicate with each other by the internet to share the work of creating morphing abstract animations known as „sheep“. The result is a collective „android dream“, an homage to Philip K. Dick’s novel Do Androids Dream of Electric Sheep.

Das ist wahrscheinlich der Grund, warum der Gott der digitalen Kommunikation die Flatrate ohne Volumenbegrenzung geschaffen hat. Gerade ist der Download fertig geworden und ich bin gespannt. Hier kann man sich immer den Status der Schafe ansehen, den die können von denen, die den Screensaver am Laufen haben, hochgevotet werden. Und bleiben damit länger im Traum, mutieren und entwickeln sich. Und das ist nur ein Teil des Konzeptes (pdf).

Algorithmen fand ich in meinen zwei Semestern Informatik zwar immer langweilig, aber das hier haut mich vom Hocker. Ernsthaft und ungelogen.

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Pokermine

In Allgemeines on 25. Juli 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: ,

Nein, die Überschrift über diesen Beitrag beinhaltet keinen Rechtschreibfehler. Denn früher, als generell noch alles besser war, da fand das Aufeinandertreffen von menschlichem Genie und propagierter künstlicher Intelligenz auf dem Spielfeld der Könige statt – auf dem Schachbrett. Die schärfsten und analytischsten Köpfe der Welt gegen mehrere kühlschrankgroße Supercomputer, zuerst noch triumphierend und jubelnd ob der Überlegenheit des menschlichen Verstandes, später dann unausweichbar bitterlich geschlagen.

Das Schachspiel, gepriesen als höchste Instanz von Komplexität und Raffinesse, war der Austragungsort dieser Matches zwischen Mensch und Maschine. Ein Jahrtausende altes Spiel, Zeichen für das Streben des Menschen nach Perfektion und Symmetrie. Immer weiter verfeinerte Fähigkeiten des Bewusstseins, der Weg in eine utopische Zukunft. Ein Phänomen, welches sehr viel über unsere Kultur aussagt, und damit auch sehr viel über uns selbst.

Da erscheint es beinahe als Hohn, wenn im neuen Jahrtausend dieses Phänomen seinen Nachfolger in einem anderen Spiel findet, dem Poker. Natürlich, auch Poker hat seine intellektuellen Reize, seine vom Spieler erst zu entschlüsselnden Prozesse und Feinheiten, kann aber im aktuellen Kontext nur als Spektakel des schnellen Erfolges, als Inszenierung einer ‘kassieren oder verlieren’-Gesellschaft gesehen werden. Und das gibt mir zu denken.

Auch wenn es interessant wäre zu wissen, ob Computer denn auch bluffen können. Manchmal scheint es mir so zu sein. Da sind diese verdammten Dinger richtig abgebrühte Bastarde.

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Schuheinheit

In Allgemeines on 25. Juli 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: ,

Der William Gibson über sein neuestes Buch und Schuhe:

The Adidas GSG9s were the obvious choice for the thinking man’s ninja. Nothing I could make up could resonate in the same way. There’s code in name-checking the GSG9 history — esoteric meaning. Something that started with Pattern Recognition was that I discovered I could Google the world of the novel. I began to regard it as a sort of extended text — hypertext pages hovering just outside the printed page. There have been threads on my Web site — readers Googling and finding my footprints. I still get people asking me about „the possibilities of interactive fiction,“ and they seem to have no clue how we’re already so there.

Turnschuhfunktionalität mit inklusive. Schuhe also, in denen man laufen, über Barrikaden und Stacheldraht hüpfen und wahrscheinlich auch heftig zutreten kann. Da setz ich mir doch glatt mal eine Stahlkappe zum Schutz auf.

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Straßenkredibilität

In Allgemeines on 24. Juli 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen:

Auf der Heimfahrt. Die Vandals irgendwann in den 80ern, als das konservative Establishment und die gegenseitigen Millionenklagen noch meilenweit entfernt waren. Von Legendary Classic gefunden oder gemacht und hier hochgeladen.

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Nur mal so angemerkt

In Allgemeines on 23. Juli 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen:

Falls irgend jemand auf die Idee kommen sollte, angesichts der nicht von der Hand zu weisenden Namensähnlichkeit des neuen britischen Premiers mit einem alten Klassiker von den Stranglers eine satirische Coverversion davon zu produzieren, dann hat er es hier zuerst gehört. Oder ist zu auditiven Synergien in der Lage.

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23 ist auch nur eine Nummer

In Allgemeines on 22. Juli 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: ,

It seems safe to say that the book 1984 is more an expression of George Orwell’s revulsion with the actual totalitarian societies of 1948 than a warning for future generations about the dangers of interactive television, but the Soviet Union has collapsed and the meme of Orwellianism lives on. Would we even be bothered by the proliferation of surveillance cameras if we didn’t recognize the phenomenon as “Orwellian” and know, therefore, that it is bad?

[Via]

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Zum Wochenende: Code Monkey

In Allgemeines on 21. Juli 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: ,

Jonathan Coulton mit Code Monkey. Vor allem die feine Affenmetaphorik hat es mir da angetan. Mehr Worte braucht es dazu nicht, either you get it or you don’t.

Mehr Songs von Jonathan Coulton über Ikea, reiche Freundinnen und einen verrückten Tom Cruise findet man auf seiner Website, viele mit, diesen einen aber leider ohne Downloadmöglichkeit. Dafür gibt es ein komplettes Akustik-Set hier.

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Die BBC ist ein ungewaschener Hippie

In Allgemeines on 20. Juli 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: ,

Linksliberale Voreingenommenheit bei der BBC? Ein Dossier in der Zeit berichtet über die momentane Krise der BBC, Königinmutter aller öffentlich-rechtlichen Medienanstalten. Die sei wohl gerade starker Kritik ausgesetzt und nur langsam beginne sich da ein Prozess der Selbstkritik zu etablieren. So weit, so gut. Auch der allgemein als Messlatte des Objektiven angenommene Journalismus der BBC, mit seinem weltweiten Ansehen und Wirken, muss sich und seine Strukturen der medialen Inszenierung von Welt und ihren Zusammenhängen selbst hinterfragen. Ob das allerdings mit Argumenten wie diesem hier geschehen kann?

Durch die Korridore von Broadcasting House weht die Ideologie des Multikulturalismus, oft verbunden mit einem moralischen Relativismus, der sich durch Geringschätzung, wenn nicht Ablehnung des eigenen demokratischen Staates auszeichnet.

Das möchte ich doch bezweifeln. Vielleicht nicht den Multikulturalismus, daran ist nichts schlimmes und das wird auch die elementare Form der kulturellen und sozialen Formationen in Zukunft sein – die man in ihren ungesunden Auswüchsen natürlich auch durchaus kritisieren kann – aber eine Ablehnung des eigenen demokratischen Staates ist ganz schön harter Tobak. Als ob der gemeine BBC-Redakteur im Geheimen die Kulturrevolution planen würde. Aber vielleicht ist das auch der Gedanke dahinter, wenn im Folgenden das Unterhaltungsprogramm der BBC, da vor allem die Serie Spooks, als Beispiel für den angenommenen islamfreundlichen und anti-israelischen Bias der BBC herhalten muss.

Serien, Komödien und Thriller verkünden oft eine Botschaft, die weitaus folgenreicher in der Wirkung sein dürfte als die Inhalte von Nachrichtensendungen […] Das Drehbuch hätten der iranische oder syrische Geheimdienst nicht besser schreiben können.

Aua, da fängt die Kritik an der BBC an langsam abzudriften, selber nicht mehr ganz der geforderten Objektivität und Vorurteilsfreiheit entsprechend. Denn hier bewegen wir uns auf der Ebene der symbolischen Kulturproduktion, nicht der geforderten Reproduzierung der realen Zusammenhänge. Klar, dass man auch aus Unterhaltungsformaten Schlüsse über Politik und Weltbilder ziehen kann, aber kann das dann auch Teil einer journalistischen Kritik sein? Nein. Auch die vom Autor Jürgen Kröning eingeforderte – und auch so formulierte – Selbstverständlichkeit, dass die Programmgestaltung Meinungen und Stimmen der Bevölkerung widerspiegeln müsse, kann kein Teil einer Kritik am Journalismus sein. Denn dann wäre jede Form der vorurteilsbehafteten medialen Inszenierung, vom Volksempfänger über das Hate Radio bis hin zu fundamental-islamistischen Hasspredigten, durchaus als legitimer Journalismus anzusehen. Ist es aber nicht.

Es geht darum, ein Ende der linksliberalen Monokultur zu erreichen, es geht um eine neue Vielfalt von Meinungen und Stimmen.

Streichen wir den ersten Teil dieses Satzes und wir haben einen durchaus passenden Grund: Ja, genau darum sollte es gehen. Nicht um die angebliche Islamfreundlichkeit der BBC, die auch mal vergessen werden kann, wenn es der eigenen Argumentation des Autors dient. So bleibt dieses Dossier selber in den Strukturen verhaftet, die es der anderen Seite, um mal in binären Maßstäben zu sprechen, vorwirft. Klassischer Fall von Eigentor, an dem auch die Tatsache der formvollendeten Ausführung nichts daran ändert, dass es ein Eigentor ist.

Kritisch angemerkt wird auch die Tatsache, dass die BBC die wissenschaftliche Debatte über das Klima für abgeschlossen erklärt hat und sich als Teil der Kampagne gegen den Klimawandel sieht.

Oi! Das steht auch noch drin, so als kleiner Nebensatz. Zwar nur als indirektes Zitat, aber ich vermute fast, dass da die persönliche Meinung des Autors durchschimmert. Dazu sag ich jetzt mal nichts mehr, das wird langsam zu blöd, und verweise stattdessen nur hierauf und hierauf.

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Damenwahl

In Allgemeines on 20. Juli 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen:

Ein Computerprogramm hat alle möglichen Züge beim Damespiel durchgerechnet. Hatte ja sonst nichts zu tun. So an einem heißen Sommernachmittag.

Das Ergebnis: wenn beide Spieler stets die optimalen Züge auswählen, ist das Damespiel nicht zu gewinnen.

Was das allerdings mit künstlicher Intelligenz zu tun hat, wie sonst überall zu lesen, bleibt mir ein Rätsel. Tic Tac Toe anyone?