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Kafkas Privatsphäre

In Allgemeines on 11. Juli 2007 by Mark Mit Tag(s) versehen: , ,

Über Slashdot gefunden: Eine sehr gut ausgearbeitete Widerlegung des allseits bekannten Ich hab doch nix zu verbergen-Argumentes bringt Daniel J. Solove in einem Paper, welches auch noch die verschiedenen Konzeptionen von Privatsphäre erläutert. Zwar immer auf die USA bezogen, aber durchaus auch für die Situation in Deutschland anwendbar. 20 Seiten, die sich lohnen, vor allem wenn man sich immer wieder mit dem gleichen Argument ärgern muss.

Solove unterscheidet im ersten Schritt zwischen der staatlichen Überwachung zum Zweck der sozialen Kontrolle, da sei auch die Orwell-Metapher durchaus angebracht. Anders sei es aber bei riesigen Mengen angesammelter Daten, egal ob diese von Behörden, Telekommunikationsanbietern oder der Tankstellen-Payback-Mafia gesammelt und gespeichert werden. Irgendwo im Zusammenspiel mit der staatlichen Kontrolle, bei der Verwertung der gesammelten Daten im politischen System – als ob nicht schon die Zweit- und Drittverwertung durch Tochterfirmen und Adresshändler ärgerlich genug wäre – trete ein Prozess in Kraft, der auf einer anderen Ebene wirken würde. Damit es bei dessen Beschreibung auch literarisch bleibt, nennt er diesen die Kafka-Metapher:

The problems captured by the Kafka metaphor are of a different sort than the problems caused by surveillance. They often do not result in inhibition or chilling. Instead, they are problems of information processing—the storage, use, or analysis of data—rather than information collection. They affect the power relationships between people and the institutions of the modern state. They not only frustrate the individual by creating a sense of helplessness and powerlessness, but they also affect social structure by altering the kind of relationships people have with the institutions that make important decisions about their lives.

Kafkas Der Prozess kommt einem da umweigerlich in den Sinn, intransparente Systeme der staatlichen Kontrolle, mündend in einen surrealen Alptraum. Und das ist auch das größte und grundlegendste Problem, welches unser werter Herr Innenminister offenbar nicht erkennen mag: der Verlust des gesetzten Vertrauens in die Institutionen eines demokratischen Staates.

Wer es noch nicht weiß oder erkennen will: Das geht nämlich verloren, wenn man die eigenen Bürger im Fadenkreuz hat – und das ist durchaus wörtlich gemeint.

Eine Antwort zu „Kafkas Privatsphäre“

  1. [...] Beispiel im Vertrauensverhältnis zwischen Bürger und Staat, was ich schon mal geschrieben hatte. Da scheinen kafkaeske Strukturen geradezu zu gedeihen. Und da schließt sich auch der Kreis zu [...]

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