Im Moment warte ich. Vor mir eine weiße Fläche, die ebenfall wartet, darauf mit Buchstaben gefüllt zu werden. Die dann aneinandergereiht, wechselwirkend mit dem lesenden Verstand des Gegenübers, einen Sinn ergeben. Einen Sinn, der zur Diskussion anregt, zur Missachtung oder auch – im idealen Fall – zum Konsens. Schön einen Gleichgesinnten gefunden zu haben ist eine oft benutzte Phrase für solche Gelegenheiten. Full ack, wie es in der neuen Sprache heißt, die wir alle benutzen, umfangreiche Zusammenhänge auf einen kleinen Haufen Buchstaben reduziert.
Buchstaben mal wieder. Wie kam ich denn auf den Gedanken, dass die Interaktionen mit Buchstaben auf meinem Bildschirm eine soziale Aktivität wären? Ach ja, weil es jeder macht. Und das mir, ich kannte noch Zeiten, da war das Zugeben einer im Netz betriebenen Tätigkeit ein Kriterium des Ausschlusses. Der hat wohl keine Freunde, war der Satz, denn man dick in den Gedankenblasen über den Köpfen lesen konnte. Dar ist auch gar nicht so falsch, denn in erster Linie habe ich Buchstaben. Das komplette Alphabet, dazu Zahlen und abstrakte Sonderzeichen. Eigentlich nichts, fast willkürlich erscheinende Aneinanderreihungen.
Es ist nicht so, dass ich mit niemandem sprechen würde. Nur ist da die Situation ähnlich verfahren. Laute, mal laut, mal leise. Und ich höre einen Sinn darin. Einen Sinn, der zur Diskussion anregt, zur Missachtung oder auch zum Konsens.
Wenn ich mich umsehe, dann sehe ich Sinn. Zeichen, Symbole, Indizes, Icons, die Legosteine der Welt. Ich sehe keine Dinge, die werde ich auch nie sehen können. Ich sehe Bedeutungen. Ich höre keine Worte, ich höre Bedeutungen. Ich lese, rieche, schmecke, fühle Bedeutungen. Ununterbrochen, gib Dir mal das. Das kann den aufrechtesten Mann in die Knie zwingen. Wir leben nicht, wir sind nur eine Ansammlung von sich selbst Sinn gebender Bedeutung. Können nur leben auf Metaebenen.
Im Moment warte ich. Vor mir eine nicht mehr ganz so weiße Fläche. Da stehen nun Buchstaben, aneinandergereiht wie Schulkinder beim Wandertag. Die einen Sinn ergeben, nämlich den Sinn, dass aneinander gereihte Buchstaben einen Sinn ergeben. Nämlich den Sinn…Ihr merkt schon, worauf das hinausläuft. Es gibt kein Draußen für mich, für uns alle nicht. Wie auf einer Möbiusschleife kommen wir immer an derselben Stelle an. Egal, wo wie aus dem Kreisverkehr rausfahren, wir fahren immer wieder in denselben Kreisverkehr rein. Kann einen ganz schön fertigmachen. Andere sagen nein, der Sinn sei da ein ganz anderer. Da sag ich dann:
Full ack.


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