Linksliberale Voreingenommenheit bei der BBC? Ein Dossier in der Zeit berichtet über die momentane Krise der BBC, Königinmutter aller öffentlich-rechtlichen Medienanstalten. Die sei wohl gerade starker Kritik ausgesetzt und nur langsam beginne sich da ein Prozess der Selbstkritik zu etablieren. So weit, so gut. Auch der allgemein als Messlatte des Objektiven angenommene Journalismus der BBC, mit seinem weltweiten Ansehen und Wirken, muss sich und seine Strukturen der medialen Inszenierung von Welt und ihren Zusammenhängen selbst hinterfragen. Ob das allerdings mit Argumenten wie diesem hier geschehen kann?
Durch die Korridore von Broadcasting House weht die Ideologie des Multikulturalismus, oft verbunden mit einem moralischen Relativismus, der sich durch Geringschätzung, wenn nicht Ablehnung des eigenen demokratischen Staates auszeichnet.
Das möchte ich doch bezweifeln. Vielleicht nicht den Multikulturalismus, daran ist nichts schlimmes und das wird auch die elementare Form der kulturellen und sozialen Formationen in Zukunft sein – die man in ihren ungesunden Auswüchsen natürlich auch durchaus kritisieren kann – aber eine Ablehnung des eigenen demokratischen Staates ist ganz schön harter Tobak. Als ob der gemeine BBC-Redakteur im Geheimen die Kulturrevolution planen würde. Aber vielleicht ist das auch der Gedanke dahinter, wenn im Folgenden das Unterhaltungsprogramm der BBC, da vor allem die Serie Spooks, als Beispiel für den angenommenen islamfreundlichen und anti-israelischen Bias der BBC herhalten muss.
Serien, Komödien und Thriller verkünden oft eine Botschaft, die weitaus folgenreicher in der Wirkung sein dürfte als die Inhalte von Nachrichtensendungen […] Das Drehbuch hätten der iranische oder syrische Geheimdienst nicht besser schreiben können.
Aua, da fängt die Kritik an der BBC an langsam abzudriften, selber nicht mehr ganz der geforderten Objektivität und Vorurteilsfreiheit entsprechend. Denn hier bewegen wir uns auf der Ebene der symbolischen Kulturproduktion, nicht der geforderten Reproduzierung der realen Zusammenhänge. Klar, dass man auch aus Unterhaltungsformaten Schlüsse über Politik und Weltbilder ziehen kann, aber kann das dann auch Teil einer journalistischen Kritik sein? Nein. Auch die vom Autor Jürgen Kröning eingeforderte – und auch so formulierte – Selbstverständlichkeit, dass die Programmgestaltung Meinungen und Stimmen der Bevölkerung widerspiegeln müsse, kann kein Teil einer Kritik am Journalismus sein. Denn dann wäre jede Form der vorurteilsbehafteten medialen Inszenierung, vom Volksempfänger über das Hate Radio bis hin zu fundamental-islamistischen Hasspredigten, durchaus als legitimer Journalismus anzusehen. Ist es aber nicht.
Es geht darum, ein Ende der linksliberalen Monokultur zu erreichen, es geht um eine neue Vielfalt von Meinungen und Stimmen.
Streichen wir den ersten Teil dieses Satzes und wir haben einen durchaus passenden Grund: Ja, genau darum sollte es gehen. Nicht um die angebliche Islamfreundlichkeit der BBC, die auch mal vergessen werden kann, wenn es der eigenen Argumentation des Autors dient. So bleibt dieses Dossier selber in den Strukturen verhaftet, die es der anderen Seite, um mal in binären Maßstäben zu sprechen, vorwirft. Klassischer Fall von Eigentor, an dem auch die Tatsache der formvollendeten Ausführung nichts daran ändert, dass es ein Eigentor ist.
Kritisch angemerkt wird auch die Tatsache, dass die BBC die wissenschaftliche Debatte über das Klima für abgeschlossen erklärt hat und sich als Teil der Kampagne gegen den Klimawandel sieht.
Oi! Das steht auch noch drin, so als kleiner Nebensatz. Zwar nur als indirektes Zitat, aber ich vermute fast, dass da die persönliche Meinung des Autors durchschimmert. Dazu sag ich jetzt mal nichts mehr, das wird langsam zu blöd, und verweise stattdessen nur hierauf und hierauf.


gut geschrieben! weiß nicht ob ich eine stärker links orientierte BBC selbst ablehnen würde, wohl eher nicht weil sie damit ein gutes Gegengewicht zu Mainstream-Media darstellen würde. die rolle als vorreiter behindert sowas natürlich. mfg, moi.
Wobei links nicht gleichbedeutend mit gutem Journalismus ist, auch wenn es vielleicht eher der eigenen Haltung entspricht ;)
was ich ja auch nicht behauptet hab ;)
vor dem hintergrund der belanglosigkeit all unserern tuns… wen juckts? aber links ist mir angenehm halt grad und aufgrund der unausgewogenheit unseres konservativ-konsum-power-fernseh’ns würden mir ein paar linke argumente und meinungen im fernsehen gut gefallen. ying-yang und so!
Hab ich auch nicht angenommen ;)
Allerdings ist jede Berichterstattung, die hohe Maßstäbe an die Transparenz von Politik und Wirtschaft anlegt und damit dann Abhängigkeiten und Ungerechtigkeiten aufzeigt, zuerst gute Berichterstattung, imho.
Erst in zweiter Linie, nicht mehr im journalistischen, sondern im politischen Kontext würde ich das dann als links bezeichnen. Und ja, da hast du Recht, da fehlt es eindeutig an Gegengewichten.
auch imo ;)
[...] Wahrnehmung hat der Jürgen Krönig ganz gut drauf – neben seiner Antipathie gegenüber der alten Tante BBC, die er schon länger pflegt. Und die Leute im Kommentarteil freuen sich einen Ast, dass endlich [...]