Contrary to popular belief, the majority of paranormal investigators—at least the ones experienced enough to realize that most alleged supernatural events can be attributed to environmental conditions—do not simply hunt down disembodied spirits, Auerbach says. Rather, they use technology to measure as many environmental factors as possible at a given site and look for clues that suggest the perception of a ghost or haunting is a result of some naturally occurring factor. Only after ruling out those natural factors will an investigator consider the possibility that a case may be supernatural, Auerbach says.
Angesichts dieses lustigen, aber außerhalb trashiger Begeisterung für die Randzonen des menschlichen Denkens schwer ernst zu nehmenden Artikels fällt mir eins auf: Ich hab noch gar nicht von einem paranormalen Ereignis erzählt, welches ich vor vielen Jahren mal erlebt habe. Damit ist nicht das Radfahren in radioaktivem Gras gemeint, sondern eher etwas, das man öfter mal gehört haben kann, gerade wenn es um scheinbar übernatürliche Begebenheiten geht. Eine kurze Erklärung des Hintergrundes muss allerdings vorangestellt werden, denn zum vollständigen Verständnis muss man wissen, dass ich nicht allein auf diese Welt gekommen bin, nein, ich wurde begleitet. Denn bevor ich aus dem Schoss meiner Mutter geflossen kam, war bereits etwas anderes auf der Welt: meine Zwillingsschwester.
Wir waren keine eineiigen Zwillinge, wäre auch schlecht möglich gewesen, und auch vom generellen Habitus, den man Zwillingen so unterstellt, war bei uns kaum was zu spüren. Keine gleichen Kleidungsstücke, erhebliche Größenunterschiede zu Anfang und sehr weit auseinander laufende Interessen - vor allem nach der Pubertät. Was von unserer Umwelt aber zumindest in den frühen Kinderjahren mehr oder weniger nicht wahrgenommen wurde. Das mag vielleicht daran gelegen haben, dass im gleichen Geburtenjahrgang, dessen Mitglieder in diesem verdammt kleinen Dorf auch nie in die Nähe einer zweistelligen Anzahl kamen, ein weiteres Zwillingspärchen auf die Welt geworfen wurde. Und die wiesen ganz andere Eigenschaften auf als meine Schwester und ich: Beide waren Jungs, strohblond und sahen sich ähnlich wie, nun ja, ein Ei dem anderen. Obendrauf trugen sie immer die gleiche Kleidung, und nur paarweise bestand die Möglichkeit sie anzutreffen. Ich denke ja, dass ihnen dieses Verhalten in ihrer Kindheit zumindest noch bis zu einem gewissen Grad von ihren Eltern indoktriniert - vielleicht auch besser gesagt indoktrainiert - wurde, aber später verselbstständigte sich das und sie weigerten sich bald von sich aus, mal ein anderes T-Shirt als der andere anzuziehen. Meine Mutter konnte die beiden nicht auseinander halten, etwas, womit ich nie ein Problem hatte. Denn trotz der auf den ersten Blick überwältigend erscheinenden Verwechselbarkeit wies der eine doch sehr sanfte Gesichtszüge auf, im Gegensatz zu den eher grob geschnittenen des anderen, der dann auch, wie zu vermuten, der Extrovertiertere von beiden war.
Aber eigentlich geht es hier um mich und meine Schwester, dieser kleine Ausflug sei nur als Erklärung des strukturellen Drucks verstanden, dem wir als zweites, eher untypisches Zwillingspärchen im Dorf ausgesetzt waren. Und nun ist es ja so, dass besonders Zwillingen gerne eine bestimmte Form der Geschwisterbeziehung zugeschrieben wird. Die würden nur zu zweit krank, auch wenn der eine gerade bei Onkel und Tante weilt. Wenn einer Hunger habe, dann wolle der andere auch, egal ob er gerade im Schullandheim ist oder nicht. Und noch vieles mehr von solchen Dingen, mit denen man so was gerne beschreibt.
Dazu muss ich sagen, dass ich außerhalb eines normalen Verhältnisses unter Geschwistern erstmal keinerlei besondere Beziehung zu meiner Schwester hatte. Bis zu einem Tag, an dem wir beide - so war es vorher verabredet - zur gleichen Zeit an einem bestimmten Ort sein sollten: dem Konfirmandenunterrricht. Den trotz meines jetzigen besseren Wissens hatte ich mich damals dazu bereiterklärt, das Ritual namens Konfirmation hinter mich zu bringen, es dabei aber nur auf den nicht zu verachtenden fürstlichen Lohn abgesehen. Denn erst ab diesem Zeitpunkt boten sich die Geschenke der Verwandtschaft in reiner Geldform dar, etwas das meinen damaligen Wünschen sehr entgegen kam. Also ging ich Donnerstag für Donnerstag in den Konfirmandenunterricht und versuchte möglichst beharrlich zu schweigen, da mich das alles nicht eine klitzekleine Winzigkeit interessierte. Der Pfaffe, der uns versuchte den Heiligen Geist näher zu bringen, wollte dann später die Hochzeit meines älteren Bruders nicht vollziehen, da er keine Mischehen befürworten würde. Die zukünftige Frau meines Bruders war katholisch, nur so nebenbei.
Auch fand der Geistliche es doch tatsächlich lustig - anstatt beispielsweise oder zum Beispiel zu sagen - immer ein Wortspiel anzubringen, dass schon damals mehr als nur genügend Jahre auf dem Buckel hatte. Er sagte dann zum Bleistift. So gesehen gab es also genügend Gründe, diesem Ort der jugendlichen Langeweile fern zu bleiben. Was meine Schwester dann auch einmal tat.
An diesem Tag waren wir mal nicht gemeinsam dorthin gegangen. Und man muss bedenken, damals hatte nicht jeder und sein Sohn ein Handy am Gürtel, mit dem sofortige Kommunikation möglich gewesen wäre. Nein, wenn man sich verabredete, dann musste man den Ort und Zeitpunkt auch einhalten. Man kann sich also meine Gedanken vorstellen, als meine Zwillingsschwester an diesem Tag nicht zum Konfirmandenunterrricht auftauchte. Auch wusste keiner Bescheid über ihren Verbleib, kein Anruf war getätigt worden, keine Krankheit hatte im Voraus ihr Kommen verhindert. Im Laufe der folgenden Minuten verspürte ich ein mulmiges Gefühl in mir, ach was, mit jeder Minute die vorbeiging ohne dass sie auftauchte wurde ich sicherer, dass ihr etwas Schlimmes zugestoßen sein musste. Die Leute redeten ja immer davon, als der eine da im Urlaub in Marokko war und um Mitternacht einen Herzinfarkt gehabt habe, da sei sein Bruder nachts im Bett aufgeschreckt und habe gewusst, dass es jetzt aus sei. Eine Geschichte in unzähligen Variationen, so oft und so vielfältig erzählt wie der Bleistift statt dem Beispiel. Und nun spürte ich es auch: die Gewissheit, dass meiner Schwester etwas passiert sein musste. Nagend und bohrend war dieses Wissen, denn wie hätte ich dieses gegenüber den anderen rechtfertigen können, das Innehalten in der schon vorgefertigten sozialen Form war stärker. Als ich dann anderthalb Stunden später in den flockigen Schnee trat, um meinen Heimweg anzutreten, war ich mir bereits sicher. Zu Hause würden mich schlechte Nachrichten erwarten. Dementsprechend düster war auch der Heimweg durch die schon dunkel werdende Umgebung.
Als ich dann nach Hause kam musste ich feststellen, dass meine Zwillingsschwester wohlauf und nur aus Faulheit nicht zum Konfirmandenunterricht erschienen war.
Die Sau.
Für alle, die jetzt enttäuscht sind: Ich weiß, paranormal ist was anderes. Aber paranormaler als das hier geht es auf dieser verdammten Welt nicht. Es sei denn, ihr schreibt eure Geschichte selbst und habt euch dafür entschieden, Fiktion zu werden.

2 Kommentare
Schöne Geschichte. Von Richard Feynman gibt’s was ähnliches, nur viel kürzer, etwa so:
“Eines Nachts wachte ich plötzlich auf und mir war schlagartig klar: Meiner Großmutter ist etwas passiert. Keine Ahnung woher dieses Gefühl kam, aber ich wusste es einfach. Kurze Zeit später klingelte das Telefon. Ich machte mich auf das Schlimmste gefasst und hob den Hörer ab. Es war nichts - irgendjemand hatte sich verwählt. Am nächsten Tag erkundigte ich mich nach meiner Großmutter. Sie war wohlauf.”
Das ist auch eine feine Geschichte. Vor allem, weil sie die äußeren Umstände so prima skizziert. Wie oft klingelt in solchen Situation überhaupt kein Telefon und wie oft ist es dann wirklich ein Notfall? Sehr selten, nehme ich an.
Was manche nicht davon abhält, wenn doch mal ein Zufall dieser Art auftritt, daraus auf Zusammenhänge zu schließen.
Ein Trackback
[...] Was telepathische Kommunikation zwischen Menschen angeht, ist es wohl überflüssig zu sagen, dass die Behauptung in keinem einzigen Fall experimenteller Nachprüfung standgehalten hat. Alle Hinweise sind rein anekdotischer Natur über zufällige Übereinstimmungen. Und wenn man von allen vorkommenden Fällen eben nur die berücksichtigt, in denen es zufällig zu einer Übereinstimmung kommt, gelangt man natürlich zu dem Irrtum, dass da was dran sein könnte. Oder, wie wir alle schon oft erlebt haben… [...]