Zu diesem Zeitpunkt, da sich meine Lektüre dieses Buches, der Zusammenstellung der Antworten auf die 2006er Frage von Edge, dem Ende nähert, muss ich mal festhalten, dass die darin beschriebenen Ideen – ganz entgegen der Intention, die einem der Titel suggerieren mag – mal eher aus der ungefährlichen Ecke kommen und eigentlich auch ziemlich harmlos sind. Denn grob lässt sich da alles in drei Kategorien einteilen. Erstens die biologisch-evolutionär bedingte Definition des Handelns, in der Entscheidungshoheit oder gar der freie Wille nicht mehr vorkommen. Determinismus deluxe. Zweitens die Postulation der Nichtexistenz Gottes, aber unser Bedürfnis, einen haben zu wollen sei durchaus auch biologisch-evolutionär bedingt. Und drittens seien wir sowieso allein im Universum.
Zugegeben, ich liefere hier eine doch recht starke Simplifizierung, und es gibt noch einige andere Ideen, aber der Großteil lässt sich sehr gut in diesen drei Kategorien verorten. Aber zurück zum Gefährlichen: Das findet sich da nicht. Alle der genannten Ideen sind durchaus begründbare und begründete Theorien, deren Verifikation oder Widerlegung sich im weiteren Verlauf des wissenschaftlichen Prozesses ergeben wird. Ich bin mir bewusst, dass die Gefährlichkeit bei diesen Ideen eine äußere ist, mehr auf die Beschleunigung des kulturellen und sozialen Wandels abzielt als auf das, was man gemeinhin unter gefährlich versteht. Denn die wirklich gefährlichen Ideen kommen eher von denen, die sich neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen verweigern. Die könnte man auch als dumme Ideen bezeichnen, aber ich will da keine Haarspalterei betreiben.
Trotzdem nagt das ein bisschen an mir, denn eine dem folgende Betitelung ist dann doch eher kontraproduktiv, festigt und verstärkt mehr noch die Ängste, die zwangsläufig bei Umbrüchen der Welt, die wir uns schaffen, auftreten. Obwohl anderes beabsichtigt ist, denke ich. Aber mit einem anderen Titel würde das Buch wohl wie das sprichwörtliche Blei in den Regalen liegen bleiben. Ambivalenz ahoi. Abgesehen davon wird nichts neues geboten. Das meiste geistert schon seit Jahren durch die Welt, wird hier aber noch mal zum schnellen Weglesen komprimiert. Fastfood für den Nachtisch, vielleicht auch so schnell wieder vergessen wie gelesen. Schade, zwei oder drei der Ideen klangen sehr vielversprechend.
Ach ja, die Antworten gibt es auch alle hier.


[...] Angst, der will nur Gott spielen Hier hatte ich schon mal über die in Buchform gesammelten Antworten zur Edge-Frage von 2006 [...]