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Der Tag an dem ich zum ersten Mal eine elektrische Gitarre in den Händen hielt und merkte, dass diese nicht zum Musikmachen gedacht war, sondern für etwas anderes

In Allgemeines on 11. Januar 2008 by Mark Mit Tag(s) versehen: , ,

War der Tag, an dem ich die Schönheit des Lärms erkannte. Damit meine ich nicht die Art von Lärm, mit denen von unbedarften Zeitgenossen mangels besseren Wissens manche Spielarten der elektrisch verstärkten Musik umschrieben werden. Denn trotz maximaler Lautstärke und Distortion, ein Song bleibt ein Song und eine tonale Struktur bleibt eine tonale Struktur, da sind Napalm Death und Roger Whittaker gar nicht so weit voneinander entfernt wie ihre Fans größtenteils denken mögen.

Meine linke Hand hielt den Gitarrenhals, die noch hornhautlosen Fingerkuppen wahllos sanft auf den Stahlsaiten ruhend. Mit der rechten Hand drosch ich, an eine erbärmliche Ace Frehley-Imitation gemahnend, auf das Schlagbrett ein. Hey, schließlich hat das Ding diesen Namen nicht umsonst.

Anfängliche Versuche, diesem Ding etwas hervorzulocken, das annähernd wie ein Riff klingen könnte, hatte ich schnell unterlassen. Denn wozu brauchte man das, wenn man denn etwas anderes, etwas großartiges haben konnte: Den reinen Lärm nämlich. Unstrukturiert, chaotisch, laut, dissonant und noch jedes andere Adjektiv, das einem dafür in den Sinn kommen kann. Das gefiel mir. Das gefiel mir sogar sehr.

Bis heute mache ich mit meiner Gitarre nichts anderes. Und bis heute traut sich der gemeine Rockmusiker nur zum Songende hin, mit der elektrischen Gitarre mal so richtig das zu machen, wofür diese eigentlich gedacht ist: Lärm. Und obwohl er dieses Bedürfnis durchaus erkannt hat, versucht er es immer noch in einengende Bahnen zu zwingen. Ausgefeilte Songstrukturen, technische Raffinesse am Instrument und viele andere dieser Blockwarte machen es dem Lärm bis heute schwer.

Aber irgendwann brennen die Musikschulen.

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