Mein Migrationshintergrund dürfte verschieden sein zu dem, was Leute in allgemeineren Zusammenhängen darunter verstehen. Aber trotzdem, er ist da, meistens erscheint er eher klein und unbedeutend, denn man sieht in mir nicht an. Genauso wie man ihn meiner Familie nicht ansieht, kann die doch locker als Paradebeispiel einer sozialen Einheit am unteren Ende der deutschen Mittelklasse durchgehen. Vollständig integriert.
Trotzdem, er ist da. Der Migrationshintergrund, von dem keiner weiß und von dem keiner was ahnt. Der Hintergrund, der jeden Menschen irgendwo fremd dastehen lässt, ob das nun fünf, fünfhundert oder fünftausend Kilometer bis zu diesem Ort sind, das ist erstmal egal. Meistens ist dieser Ort näher, als man denkt. Aber leider nie so nah, dass jeder ihn finden könnte, denn sonst würden etliche Leute weniger das Maul aufreißen. Leute, die zwischen Menschen mit Migrationshintergrund und Tätern mit Migrationshintergrund keinen Unterschied mehr machen können. Vielleicht auch gar nicht machen wollen.
Aber zurück zu meiner vollständig integrierten Familie. Für einen Teil davon war der Migrationshintergrund eine Selbstverständlichkeit auf der Suche nach einem besseren Leben, für andere ist er es immer noch. Und für viele wird er es in Zukunft noch sein.
Und trotz allen großen Kleinigkeiten, die einem das Leben hier manchmal nur mit einem schlechten Geschmack im Mund möglich machen, es ist das was einem Zuhause am nächsten kommt. Denn da wo man herkommt, da gibt es das nicht mehr.
