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Einmal hatte er sich an der Bar an einem Witz versucht. Er hatte Krisen – geschüttelt nicht gerührt – bestellt. Auf Nachfrage entschied er sich dann aber doch für eine kleine Fanta.

In Unkatzegoriert on 15. Januar 2008 by Mark Mit Tag(s) versehen: , , , , , ,

Die Krise sei die momentan präsente Form der Bewältigung von Wirklichkeit, oder zumindest von dem, was wir mit diesem Wort benennen, sagen die Wissenschaftler. Vielleicht sei die Krise und deren Bewältigung auch schon seit Urzeiten, seit damals, als wir noch in Höhlen wohnten und nur fortgeschrittene Affenkinder waren, die von uns präferierte und im Gegenzug auch uns prägende Vorgehensweise, wenn wir vor dem stünden, was Welt sei. Jung und unschuldig damals noch.

Der Höhepunkt einer gefährlichen Entwicklung sei die Krise, der Punkt, an dem uns eine Entscheidung abverlangt werde, die mehr oder weniger existentiell sei. Mitunter sei die Krise auch schon mal permanent, oder, da der Begriff ursprünglich aus der Medizin komme vielleicht ein passenderes Wort, chronisch. Und überhaupt, eine Krise könne man gar nicht ohne ein anderes großes K denken, die Katastrophe. Die wäre die Konsequenz – wieder ein großes K – eines dauerhaften negativen Verlaufs der Krise.

Das mittlerweile kaum mehr unterschieden werden kann, wann denn etwas eine Krise ist und wann nur ein eher profaner, alltäglicher Entscheidungsprozess, das kann vielleicht der Hysterie der neuen Zeit geschuldet sein. Der Risikogesellschaft, in der wir gerne und oft auf Messers Schneide stehen und froh sein können, weil der Schleifstein vergessen wurde. Ich krieg die Krise, der Akku vom Handy ist schon wieder leer – auf diesem Niveau bewegen wir uns, wenn wir von Krisen sprechen. Und wir alle sind Krisenmanager unseres eigenen Lebens. Auf Lebenszeit unkündbar.

Die Krise und deren Bewältigung ist vielleicht auch ein nicht zu unterschätzender Faktor in unserer Fähigkeit, die Welt in geordnete und übersichtliche Strukturen zu brechen. Ich meine, die Bewohner des DC-Universums wüssten ja gar nicht mehr, wie ihnen geschieht und wer wo wann und wie was gemacht hat, wenn nicht alle paar Jahre eine reinigende Krise die unendlichen von ihnen bewohnten Welten rigoros vereinfachen würde. Interne Komplexitätsreduktion, die wiederum extern für den Leser auch die dringend benötigte Übersicht wiederherstellt. Sofern man in diesem Zusammenhang überhaupt von Übersicht sprechen kann.

Je immanenter die Krise erscheint, je mehr man das gute Fortbestehen der eigenen Existenz von der Überwindung der alltäglichen Krisen abhängig macht, desto mehr Wert misst man dem eigenen Leben bei. Wenn der Gang zum Supermarkt zur beinah unüberwindbaren Hürde wird, dann ist dessen Bewältigung ein beachtlicher Erfolg. Soll heißen, je schwerer wir uns das Leben machen, desto lebenswerter wird es. Solange man nicht Ground Zero erreicht und die Krise zur Katastrophe wird.

Katastrophenmanager, eine gute Berufsbezeichnung. Where’s my badge?

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