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Zum Warencharakter und wahren Charakter

In Allgemeines on 21. Januar 2008 by Mark Mit Tag(s) versehen: , , , , , , ,

Ich bin ja keiner von den ganzen Adorno-Zöglingen, die jedes kulturelle Erzeugnis qua seinem Produktstatus in dem alles in seinen Klauen haltenden Monster namens Kulturindustrie verdammen. Vor allem die so oft bekrittelte Populärkultur mag ich in ihren faszinierenden Ausprägungen dann doch ganz gerne. Um es mal mit einer gern hergenommenen Phrase zu sagen: Das muss man differenziert sehen.

Vor allem in Bereichen, in denen sich die Frage nach Authentizität, symbolischer Bedeutung und der Unterscheidung von Kunst und Kommerz – dem wohl binärsten aller binären Gegensatzpaare, das man in Makrozusammenhängen auch nie so trennen kann – stellt, ist es durchaus angebracht, zu hinterfragen, ob man denn nun zumindest eine Teilform der menschlichen Expressivität abseits des ökonomischen Kalküls vor sich hat oder doch nur eine Ware.

Auch wenn man getrost davon ausgehen kann, dass es zwischen Sweatshirts von Karl Kani, Accessoires von Apple und Fair Trade-Kaffee nichts mehr gibt, dass nicht in wirtschaftlichen Mustern gedacht werden kann. Das Ich als Marke, die wirtschaftlich geführte Universität und wie der ganze Dreck so genannt wird.

Es ist schwer, da zu einem Urteil zu kommen. Im einfachsten Fall bleibt man bei seinen subjektiven Geschmackspräferenzen, mit denen man aber auch nur angebotene Optionen wahrnimmt. Wenn das nicht opportunistisch ist, dann weiß ich nicht, was Opportunismus heißt. Der Rückzug in subkulturelle Nischen bietet da auch keinen Ausweg, sondern nur Miniaturen, im Kleinen reproduzierte Strukturen.

Auch wenn man Nietengürtel trägt und sich duzt, Business bleibt Business. Und die Wahrheit dahinter? möchte man fragen, möglichst laut, damit es überall gehört wird. Nun, wenn Wahrheit die Übereinstimmung mit der Wirklichkeit ist, dann gibt es die gar nicht. Dann leben wir in einer Welt, in der nur das zählt, was man besitzt, was man hat und was man konsumiert. Eine ganz schön ungemütliche Vorstellung.

Wenn das so ist, dann sind wir alle verdammt.

Aber das muss man differenziert sehen.

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