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Tütensuppen, Captain Kirk und die Internet-Türsteher

In Unkatzegoriert on 1. Februar 2008 by Mark Mit Tag(s) versehen: , , , , , , , , , ,

Eine meiner ersten Begegnungen mit unorthodoxen Werbeformen hatte ich etwa im Alter von 11 Jahren. Zu dieser Zeit war ich häufiger Besucher der lokalen Stadtbibliothek und ihrer trashigen Taschenbuchecke. Man könnte sagen, es war der Mangel an qualifiziert trashiger Unterhaltung, beruhend auf der Tatsache, dass mein Fernsehkonsum sich auf vier öffentlich-rechtliche Programme beggrenzte, der mich zu diesem Ort trieb. Aber damit würde man rückblickend der Qualität des öffentlich-rechtlichen Fernsehens ein unangebrachtes Lob erweisen.

Auf jeden Fall fand ich in der Bibliothek eine Menge an Sci-Fi-Romanen im Taschenbuchformat, darunter auch eine ganze Reihe an – bis heute liebe ich diese Bezeichnung – begleitenden Büchern zur TV-Serie. In diesem Fall war es Star Trek. Man kann sagen, dass meine Initiation ins Star Trek-Universum mit den Romanen zur Serie stattfand. Zur klassischen wohlgemerkt. In den neueren Exemplaren stieß ich dann manchmal auf Seiten, die so aussahen, als ob der Text schwarz ausgestrichen worden wäre. Nur ein paar Sätze waren freigelassen. Im Nachhinein finde ich es faszinierend, denn diese Sätze nahmen direkt Bezug zur Handlung. Jemand musste sich das also vorher durchgelesen haben, um dann sowas wie dieses zu schreiben:

Das ist unzweifelhaft eine verzwickte Situation, in der Captain Kirk sich gerade befindet. Mutterseelenallein auf einem fremden und gefährlichen Planeten. Wird er es schaffen, den Spinnenwesen von Kra’tul zu entkommen oder werden ihn die Kräfte verlassen? Damit den werten Leser die Kräfte nicht verlassen, gibt es wirksames Mittel: Eine Fünf-Minuten-Tütensuppe mit echtem Hühnchen und viel Gemüse. Heiß und stärkend.

Der Name des Tütensuppenherstellers mag mir jetzt nicht mehr einfallen, aber so in der Art war das gemacht. Und ich stelle mir gerade vor, so wären die Verlage mit einer Neuauflage von Joyce oder einem Sammelband von Hemingway verfahren. Das hätte ein Geschrei gegeben. Lauter als Motörhead und Manowar zusammen.

Ob diese Praxis der Werbung heute noch in dieser Form existiert, ich weiß es nicht. Allerdings hätte ich es zumindest gern überprüft, was ein gesponsorter E-Book-Service wie Wowio aus diesem Vorhaben macht. Vor allem bei vielversprechenden Sachen wie Living in Infamy, die da frei verfügbar sind. Aber da stehe ich – wie bei Pandora auch – vor verschlossenen Türen. Und mich jetzt mit freien Proxies herumzuärgern, bis ich einen finde der funktioniert, da lass ich es lieber. Irgendwo hier müssen noch ein paar alte Star Trek-Romane rumliegen, da könnte ich mal wieder einen Blick reinwerfen.

Digitales Publizieren ist eh überbewertet und Papier riecht besser. Meistens.

Ich könnte natürlich auch The Mindscape of Alan Moore ansehen.

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