Die Pointe kommt zum Schluss
Wenn ich so nach Feierabend durch den dunklen Industriepark gehe, das Parkhaus als Ziel und nur den leise flüsternden Wind als Begleitung, dann beschleicht mich manchmal ein mulmiges Gefühl. Eine Mischung aus Verloren sein und beobachtet werden. Fehlt nur noch der auf ein Crescendo aus schreienden Geigen hinarbeitende Soundtrack, wahlweise garniert mit subjektiven Einstellungen im Zwischenschnitt, die eine Verfolgerperspektive suggerieren.
Im Parkhaus verschwindet dieses Gefühl dann nicht etwa, sondern wird durch die bedrängende Kulisse der Betonwände und Stahlträger ersetzt. Da rettet auch die je nach Parkebene unterschiedliche Farbe der quer über das Deck verteilten Stützpfeiler nichts mehr. Im Gegenteil, der Farbton scheint mit zunehmender Zeit immer mehr ins blutrote zu wechseln.
Einmal habe ich dabei vergessen, mir morgens die Nummer meines Parkplatzes zu merken. Was in einem Parkhaus mit einer Anzahl an Parkplätzen im hohen dreistelligen Bereich keine angenehme Erfahrung ist. Nach gefühlten siebzig Parkebenen und dreiundzwanzig Brandschutztüren später war ich sicher, nicht mehr in einem Parkhaus zu sein, sondern durch die labyrinthischen Abgründe einer den Fantasien von M.C. Escher entsprungenen Vorhölle zu irren. Das Geigencrescendo war mittlerweile auch dem kakophonischen Kreischen eines Shinya Tsukamoto-Soundtracks gewichen. Als ob die Verzerrung des Sichtfeldes durch die Verwendung extremer Weitwinkelobjektive noch nicht genug wäre. Geradeaus gucken ist da schwierig.
Diese Erfahrungen sind natürlich rein subjektiver Natur. Es ist im Leben nicht so, dass in unerwarteten Momenten schreckliche Monster durch die Türen brechen.
Die klopfen vorher an, diese höflichen Biester.
