Zuviel des Guten
Zuerst verliert man die Hoffnung, dann das Leben. Oder anders gesagt: Ohne Hoffnung ist das Leben wenig lebenswert. Misanthropen, Pessimisten und Schwarzseher – die mir immer noch lieber sind als Schwarzwähler – werden da nicht beipflichten, sondern nur hierauf zeigen und laut ‘Ha!’ rufen, gefolgt von einem ‘Ich habs Dir doch gesagt’.
Denn wenn Hoffnung und emotionale Verfasstheit nichts mit dem Ob und wie lange eines Überlebens zu tun haben, dann bleibt statt der Quantität nur noch die Qualität übrig. Und da sei mir verziehen, wenn ich behaupte, dass das Schlechtsein, welches der Welt gerne unterstellt wird, oft auch die eigene Lebensqualität erhöhen kann.
Nicht nur die kleinen Freuden sind es, die dann ins Exponentielle verstärkt erscheinen, auch die negativen Überraschungen nehmen ab. In besonderen Fällen verschwinden sie sogar ganz, das hängt stark vom jeweiligen Grad des internalisierten und auf Minus gedrehten Weltbildes ab. Und die lustigen Gesellen, die meinen es muss ja und es gehe schon irgendwie und es könnte schlimmer sein man müsse nur nicht aufgeben und überhaupt werde alles wieder gut – all denen kann man getrost ein gewisses Defizit im effizienten Umgang mit der eigenen Befindlichkeit andichten.
Die sind aber genau so scheiße dran wie man selbst. Das wäre zuviel Aufwand.

so einfach ist das leider nicht. andauerndes schlechtes denken bedeutet stress, stress wiederum führt zu erhöhtem cortisol und cortisol ist schlecht für den organismus. ausserdem hat pessimismus konsequenzen auf die erwartung der eigenen selbstwirksamkeit, auf bewertungen von situationen und auf die attribution von ursachen. dies alles führt dazu, dass man gewisse situationen eher meidet oder sie eher als bedrohung wahrnimmt. die lebensqualität sinkt und positive erlebnisse nehmen ab. das hat auswirkungen auf den lebensstil und der auf die gesundheit. meiner meinung ist das der grund, weshalb optimisten im schnitt länger leben sollten.
Guter Punkt, aber ich ging da von meiner persönlichen Herangehensweise aus. Und da ist der Spaß am Pessimismus durchaus vorhanden, ebenso wie der Galgenhumor. Außerdem findet ein Großteil meines Pessimismus nicht in meinem Selbstbild, sondern als Zuweisung an die ‘böse Welt da draußen’ statt und ist durchaus ironiebehaftet, was für mich persönlich eine bessere Coping-Strategie ist, als zwanghaft optimistisch zu bleiben.
Die Negierung des Guten muss ja nicht zwangsläufig das Schlechte sein ;)
meiner meinung nach ist ironie sogar eine der besten coping-strategien, die es gibt. nur versteht sie nicht jeder. gerade den schweizern wird sie gerne abgesprochen. das führt dann oft zu missverständnissen. wenn man z.b. über pessimismus lacht oder sich von traurigen liedern aufheitern lässt. dann schauen sie einen quer an…
mit anderen worten: deine persönliche herangehensweise hat was.
Och, Danke. Und zu den Schweizern: wer Ricola erfunden hat, der kann nicht nicht ironisch sein. Die verstecken das bestimmt nur gut.