Es ist keine umwerfende Neuigkeit, dass das Urkilogramm in seinem Tresor in Paris langsam etwas Gewicht verliert und somit als Bezugspunkt für eine Maßeinheit, die konstant sein sollte, auch seine Nützlichkeit. Die verschiedenen angedachten Neuherleitungen sind da zwar interessant und durchaus wissenschaftlich motiviert, aber ich habe immer noch die schöne Vorstellung im Kopf, dass der eigentliche Grund für eine Neudefinition des Kilogramms ein anderer ist.
Keine Angst, es sind keine dem Wirtschaftslobbyismus entsprungenen ökonomischen und auf die reine Profitmaximierung abzielenden Beweggründe, die ich diesem Streben andichten will. Nicht diesmal zumindest.
Betrachten wir es mal so: Das Kilo wird leichter. Auf den ersten Blick ein harmlos klingender Satz. Setzen wir diesen aber in Bezug mit dem Umstand, dass Körpergewicht und die daraus abgeleitete soziale Wertschätzung – vor allem bei weiblichen Teilen der Bevölkerung – in ganzen Zahlen ihren Ausdruck finden, dann haben wir eine umgekehrte Beeinflussung: Je leichter das Kilo wird, desto höher werden die Maßzahlen, in denen wir unser Körpergewicht angeben. So gesehen kann die Neudefinition des Kilogramms nur ein Versuch der Aufrechterhaltung einer fragilen intergeschlechtlichen Ordnung sein. Denn mal ehrlich, das Argument der Proportionalität zieht bei solchen Sachen nicht. Oder um es mit einem anderen Beispiel zu sagen: Auch wenn die Lebenserwartung insgesamt ansteigt wird trotzdem immer noch der sechste neununddreißigste Geburtstag gefeiert werden.
Wer in dieser unernst gemeinten männlich-intrinsischen Motivationsthese Klischees findet, der darf sie behalten, sollte dann aber einen Blick in das Sekretariat einer beliebigen wissenschaftlichen Einrichtung und die Analyse der dortigen Verteilung der Geschlechter vermeiden.

