Gestern Abend auf dem Bahnsteig spricht er mich an. Ob denn der Zug in das Bauernkaff, dessen Namen man nicht nennen darf, schon weg sei. Ich bejahe. Das sieht er offenbar als Aufforderung, mir zu erzählen wie die Herren des öffentlichen Nahverkehrs ticken. Nämlich gar nicht, denn irgendjemand habe ihnen an den Ort, wo normalerweise das Gehirn sitzt, reingewichst. Deswegen seien sie Arschlöcher, Hurensöhne, Drecksäue und Wichser.
Naja, von Wichs kommt Wichs, denke ich so bei mir und hoffe, dass er mein Signal in Form eines geflissentlichen Abwendens verstehen wird. Schließlich bin ich noch die nächsten zehn Minuten an diesen Bahnsteig gefesselt. Aber weit gefehlt, er war noch nicht fertig, da wären noch die Schulbusse, da habe er heute morgen ganze drei Stück von gesehen, und die seien leer gewesen. Wer sich sowas denn ausdenke, fragt er. Der müsse ein ganz großer Wichser gewesen sein. Dabei betont er komischerweise mehr den zweiten Buchstaben, dass es eher wie Wiener mit einem Zischlaut in der Mitte klingt.
Bei der Landtagswahl, da habe er es den Herren aber gezeigt, seinen Wahlzettel habe er in Fetzen gerissen und den Schweinen ins Gesicht geworfen. Nun ja, denke ich gequält bei mir, die armen Wahlhelfer werden gedacht haben, der sei sogar zum NPD-Protestwählen zu blöd. Behalte diesen Gedanken aber für mich, da ich zu nett, ruhig und zuvorkommend bin, um den ganzen Deppen da draußen das zu sagen, was ich eigentlich sagen will. Deswegen mache ich das ab jetzt woanders. Und zwar hier: Meinungsfreiheit ist was tolles.
