Im Büro habe ich mir heute, während ich wieder mal darauf wartete, dass die alles könnenden Enterprise-Applikationen ihre zu viel versprechenden Funktionen mir nach ewig scheinenden Ladezeiten offenbarten, ein bisschen das linke Ohr gekratzt. Auslöser war ein kleinerer Juckreiz, wie man ihn öfter an solchen Stellen verspüren kann. Dort ertastete ich ein kleines, widerborstiges Haar, welches meine Fingerkuppe aufs heftigste reizte. Ich scheine wohl einer von diesen Männern zu sein, bei denen am Ohr die Haare sprießen, während sie auf dem Kopf proportional ausfallen.
Nicht das mich das, wie es bei anderen der Fall zu sein scheint, überrascht hätte, denn schließlich mehren die Zeichen des Alterns sich mit der Zeit. So ist eine leichte Verschiebung der Schlaf-Wach-Perioden – wie es früher nach durchgefeierten Nächten gang und gäbe war – mittlerweile Auslöser einer zermalmenden Müdigkeit am Folgetag. Und auch die ersten Zipperlein in Form von schmerzanfälligen Rückenpartien und den Symptomen einer klassischen Maushand machen sich schon bemerkbar.
Aber ich will ja nicht jammern. Geht ja vielen in besseren Lebenslagen schlechter.
Aber eins frage ich mich dennoch: Warum ist es so, dass die Freundin und ich, wenn wir nicht gerade Erwachsenendinge tun, eine grenzdebile Verhaltensweise an den Tag legen, wie sie auch die pubertierendsten Sechzehnjährigen kaum hinkriegen?
Ach ja, das Haar am Ohr habe ich gerade ausgezupft. So ein verdammt harter Hund bin ich, da dürfen Hartmut Engler und Bret Hart ruhig das Hart aus ihren Namen streichen.

