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Mein Name ist Zufall, reiner Zufall

In Allgemeines on 8. März 2008 by Mark Mit Tag(s) versehen: , , , , , , , , ,

Eine Tendenz, Information in einer Art und Weise zu suchen und zu interpretieren, die den eigenen Vorannahmen entspricht, einhergehend mit der Vermeidung von Informationen oder Interpretationen, die dem entgegenlaufen. Sagt die Wikipedia zum Confirmation bias, und Kamenin weitet das noch auf religiöse Verhaltensweisen und die Rezeption von vermeintlich begründeten Zufälle aus.

Was da nahe liegt – und im Kommentarteil auch zur Sprache kommt – sind die Formen, in denen eine explizite Begründbarkeit von Zufällen vorzuliegen scheint – obwohl dann Zufall als Bezeichnung eigentlich nicht mehr gelten kann. Um mal das tiefe Verschwörungstheorie-Fass aufzumachen: Bei diesen Personen muss der confirmation bias in einer so universalen Form ausgeprägt sein, dass jedes erdenkliche Ereignis integriert und mit Sinn und Zusammenhang aufgeladen werden kann. Was vielleicht auch die Attraktivität solcher Konzepte ausmacht, denen ich mich, dass muss ich gestehen, in fiktiver Form auch nicht entziehen kann. Im Gegenteil, meistens sind sie sogar verdammt unterhaltsam.

Klar, Erzählstrukturen wie die von R.A. Wilson oder Paul Auster sind mittlerweile meilenweit von dem entfernt, was Aristoteles in seiner Poetik noch ‘das nach den Regeln der Wahrscheinlichkeit oder Notwendigkeit Mögliche’ genannt hat. Vielleicht weil das Wahrscheinliche nicht mehr in der Lage ist, eine interessante Geschichte zu erzählen und die Enthüllung am Schluss Ausmaße annehmen muss, die eben jeder Wahrscheinlichkeit spotten. Aber das sind Geschichten, da findet man erstmal alles toll, was deren Spannung steigert, solange sie diese auch einzulösen wissen.

Richtig problematisch wird es nur, wenn nicht mehr zwischen Erzähltem und real Beobachtbarem unterschieden werden kann. Wenn man Erzählstrukturen des Fiktiven auf seine Umwelt anwendet und dabei übersieht, dass die Umwelt sich um solche Strukturen einen Dreck schert. „Diese Welt funktioniert nach anderen Gesetzen, Junge!“ möchte man dann, erschwert durch die abgekaute Zigarre im Mundwinkel, den Verschwörungsakrobatikern da draußen zuraunen.

Aber sie wollen nicht hören, die Kinder von Akte X und Konsorten, die jetzt erwachsen geworden sind. Um das ständige Entfachen und Schüren der Flammen vermeintlicher Kausalitätszusammenhänge zu vermeiden hätten die damals Strange Luck [1] ansehen müssen, denkt man. Da hätten Sie was gelernt über die Unvermeidlichkeit des Zufalls. Dann wäre sowas vielleicht nicht passiert.

[1] Nichts ist schöner als die sofortige Vergänglichkeit des Technikjournalismus. Wired hat damals Strange Luck nämlich als eine Serie „perfectly geared toward the CD-ROM generation“ bezeichnet. Lustigerweise gibt es bis heute keinen DVD-Release davon, dabei wird jeder Scheiß auf den Markt geworfen. Immerhin: Bei Youtube gibt es einige Folgen von Strange Luck zu sehen, allerdings in miserabler Qualität.

2 Antworten zu „Mein Name ist Zufall, reiner Zufall“

  1. [...] m.arschflugkoerper Merkzettel für Gewissensbefreite Zum Inhalt springen überund sonstKatzegorien & ArchivTollblogrolle « Mein Name ist Zufall, reiner Zufall [...]

  2. [...] bewertet werden. Interessanterweise greifen da gegensätzliche Mechanismen als beispielsweise beim Confirmation bias, denn es wird eher den Informationen Beachtung geschenkt, die mehr oder weniger dem eigenen [...]

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