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Auf einem Auge blöd, auf dem anderen blind

In Allgemeines on 23. März 2008 by Mark Mit Tag(s) versehen: , , , , , , , , ,

Der Beweis: auch in einem Artikel über gewisse Eigenheiten der Apple-Gefolgschaft kann man den Nahost-Konflikt einbauen – zumindest als Analogie.

Grund für diese Erwähnung ist der so genannte Hostile Media Effect (pdf), der das Phänomen beschreibt, dass Medienbeiträge mit einem eigentlich recht hohen Grad an Objektivität radikal unterschiedlich wahrgenommen und bewertet werden. Interessanterweise greifen da gegensätzliche Mechanismen als beispielsweise beim Confirmation bias, denn es wird eher den Informationen Beachtung geschenkt, die mehr oder weniger dem eigenen Weltbild widersprechen.

Pro-Palestinian viewers said the news clips excused „Israel when they would have blamed some other country“; that the news accounts didn’t focus enough on Israel’s role in the massacre; that the segments would prompt neutral observers to take Israel’s side; and that the journalists who’d put together the stories were probably advocates of Israel. Israel’s supporters, meanwhile, said the exact opposite.

Die zweite Dimension, und hier wird es interessant, der Ausprägung dieses Effektes findet sich im Zusammenhang mit der Dualität des eigenen Weltbildes. Je mehr das eigene Weltbild in Kategorien von Wahrheit und Lüge, in den Mustern von Schwarz und Weiß gedacht wird, desto mehr erscheint solchen Personen eine Position, welche etwas in Abstufungen von Grau beschreibt, nicht nur weniger objektiv und fair, sondern auch gleich als Gegenteil der eigenen Kategorie.

Da ist es kein Wunder, dass sich die Kommentarteile der großen Onlinemedien und gewisse Teile der politischen Blogosphäre dermaßen ähneln, dass man sie kaum mehr voneinander unterscheiden kann. Aus beiden Perspektiven ist die mediale Landschaft gleichgeschaltet, sagt nicht die Wahrheit oder – wenn man höflich bleibt – liefert nur tendenzöse Berichterstattung.

Nicht dass dem in manchen Fällen nicht so wäre, aber man muss den Dingen, die da teilweise geglaubt und behauptet werden, nicht unbedingt auch glauben. Ein Mindestmaß an Abgleich mit der Wirklichkeit sollte man sich schon leisten. Das ist auch schon günstig zu haben, kostet nur ein wenig Vernunft.

Das sind offensichtliche Wahrheiten, mag man nun sagen, zum Glück sind immer nur die anderen davon betroffen. Und hat damit gar nichts verstanden.

8 Antworten zu „Auf einem Auge blöd, auf dem anderen blind“

  1. In anderen Kreisen** auch bekannt als „Schiri, wir wissen, dass du Oddset spielst“-Syndrom.

    Ich denke Wikipedia ist ein bisschen schnell, das als Gegenstück zu Confirmation Bias oder gar als Beispiel für Disconfirmation Bias zu verstehen. Im Grunde geht es auch nur um die Bestätigung des eigenen Weltbilds, und sich Verschwörungstheorien zurecht zu legen, um zu erklären, warum nicht alle anderen mit einem übereinstimmen, und das dann auch noch bestätigt zu finden, ist fast schon doppelter Confirmation Bias.

    (**vor allem verbreitet natürlich unter Borussen und Herthanern)

  2. Klar, dass das keine entkoppelten Prozesse sind, steht auch so im Originalpaper:

    Is the hostile media phenomenon really an exception to the rule of confirmatory bias in cognition and perception? Ultimately, we argue, it is not; indeed, it is our contention that perceptions and attributions of media hostility are, at least in part, a consequence of the same confirmatory bias that they superficially appear to contradict.

    Wobei ich das nicht so getrennt vom Disconfirmation Bias denken würde. Soweit ich das sagen kann werden da dem eigenen Weltbild widersprechende Inhalte einer stärkeren „Analyse“ und Kritik unterzogen als der Rest. Je weiter man nun mit seinem Weltbild von der objektiven Wirklichkeit und deren Institutionen entfernt ist*, desto mehr sind diese dann auch einer stärkeren Nicht-Zustimmung ausgesetzt.

    Vielleicht ist das einer der Gründe, warum man als Verschwörungstheoretiker institutionalisierten Medien eher wenig Vertrauen entgegenbringt. Für den ungewaschenen Kumpel mit seinen kopierten Handzetteln dagegen die Hand ins Feuer legen würde.

    Beim Fußball geht das natürlich nicht ohne. Sollte die FIFA mal den Videobeweis als objektive Instanz verwenden wollen, dann würde wohl die Hälfte des Spasses dahin sein ;)

    *Das wird auch bei den Haltungen zum Nahost-Konflikt klar, da ist der Diskurs mittlerweile in dermaßen binäre Lager gespaltet, dass glaube ich jede Objektivierung scheitern muss. Nicht dass man es nicht trotzdem versuchen sollte.

  3. Ist das nicht schon in der Definition von CB enthalten, dass man Widersprechendes kritischer prüft und Genehmes unkritischer annimmt? Vielleicht geht es da mehr um den Wahrnehmungsaspekt.
    Aber ehrlich gesagt, verwirrt mich das alles zu sehr; wenn ich weiter drüber nachdenke, steigt bei mir ein dumpfes Gefühl im Hinterkopf auf, dass das irgendwie meine Konträriker-Pose in Frage stellt.
    (das ist nicht mal ein Wort im Deutschen — egal)

  4. Da diese Wahrnehmungsprozesse immer ineinander verschränkt stattfinden, ist die Unterscheidung wohl eher als instrumentelle Kategorisierung gedacht. Ich bin da aber auch nicht so der Psychologe, um da genau Bescheid zu wissen. Nennen wir das Ganze doch einfach die zweite Dimension der selektiven Wahrnehmung.

    Und Sorgen über Deine Konträriker-Pose musst Du Dir erst dann machen, wenn Dir die Argumente ausgehen. Davon hast Du aber alle Taschen voll, das dürfte eine Weile reichen ;)

  5. Ich Moment such ich verzweifelt nach Argumenten, meinen abgründigen Musikgeschmack zu rechtfertigen oder aufzuhübschen, um Deinen Taktstock zu beantworten ;)

  6. Ach, im musikalischen Bereich regiert eh der persönliche Geschmack, da lass ich auch Nichtargumente gelten ;)

  7. Geschmack, den man nicht argumentativ begründen kann? Was sind wir denn? Barbaren? ;-)

  8. Nun, im Moshpit zählt die Ratio eher wenig, möchte ich mal behaupten ;)

    Aber abseits davon, wenn man seinen Musikgeschmack argumentativ begründen will, dann kommt man über Diskursrock aus der Hamburger Schule oder World Music selten hinaus. Lassen mich wenigstens meine Erfahrungen aus gewissen geisteswissenschaftlichen Instituten denken.

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