Taktstock
Den selbstreferentiell-distanzierenden Einleitungssatz zum Thema darf man sich hier selber denken, denn Heuni wirft ein Musik-Stöckchen, und da muss ich gleich mal zuschnappen, denn nirgends sonst gibt es einen Distinktionsgewinn in solchen Ausmaßen wie beim Musikgeschmack zu erringen. Man ist, was man hört, das gilt nicht erst seitdem die Rocker den Mods die Nasen plattgehauen haben.
1. Ein Song, dessen mich Text sehr berührt hat: Das ist eine schwierige Frage, da mir etliche Songs gerade nicht in den Sinn kommen wollen. Da kann ich nur auf den ersten zurückgreifen, mit dessen Text ich eine emotionale Reaktion verknüpfe. Das ist Eddie von Latin Quarter. Die kann man trotz etlichen Singlehits wohl die unterbewerteste Band der 80er nennen, neben den Replacements und Hüsker Dü natürlich. Deren erstes Album habe ich damals im Plattenschrank des großen Bruders gefunden, und dieser eine Song über einen wahnsinnig gewordenen Heimkehrer von den Falkland-Inseln hat mich schwer beeindruckt.
Vielleicht war es wegen gewissen Ähnlichkeiten darin beschriebener Personen zu meinem damaligen Lebensumfeld – keine Angst, es ist nicht das was Ihr meint, ich bin nicht in einer Soldatenfamilie großgeworden – die ich aber nicht an dieser Stelle nicht weiter ausbreiten möchte. Wenn dann nur verschlüsselt.
2. Ein Song, dessen Musik mich sehr berührt hat: Auch wenn ich Sting nicht mag, und er gleich hinter Bono auf meinem persönlichen Antipathie-Siegertreppchen steht, mit The Police hat er wenigstens tolle Musik gemacht. Darunter Regatta De Blanc vom gleichnamigem Album. Das beste Instrumentalstück aller Zeiten, muss ich so sagen, auch wenn ich aus Gründen der Straßenkredibilität vielleicht eher einen Song von Amebix hätte nennen sollen.
3. Ein Song, den ich gerne selber geschrieben hätte: Ich trinke keinen Alkohol, bin im Herzen aber ein prolliger Biertrinker. Und kann Krawatten und professionelle Bescheidwisser immer noch nicht leiden. Deswegen muss ich da Supernichts mit ‘Du und Deine Scheiß-FDP’ nennen. Gibt es hier zum anhören.
4. Fünf Songs für das Best Of meines Lebens: Nee, nur fünf geht gar nicht. Es gibt zu viele gute Songs, und glücklicherweise bin ich auf meiner Beerdigung schon tot, so dass mir die Musikauswahl dazu egal sein kann. Da muss ich also passen.
5. Ein Album, das ich wie meinen Augapfel hüte: Das ist leicht, nennt sich Somery und ist eigentlich gar kein richtiges Album, sondern nur eine Zusammenstellung, aber mit vielen der besten Songs aller Zeiten. Natürlich von meiner jederzeitigen Lieblingsband, den hier schon mal zu recht gelobten Descendents. Und alles was ich mehr dazu schreibe, kann diesen Songs nicht gerecht werden.
Wer Elliott Smith mag oder mich mit einem Krautrock-Webradio anfixt, der kann kein schlechter Mensch sein, deshalb geht das Stöckchen weiter an kamenin und Cromax. Und auch sonst darf jeder zugreifen, der will und Freude daran hat.

Wie, ne, nicht nur fünf? Dann sag doch mal ein paar. *g*
Heuni
Wenns denn noch fünf sein müssen, dann nehhm ich die ersten, die mir in den Sinn kommen:
1. The Mountain Goats – No Children
2. Social Distortion – Story Of My Life
3. Neurotic Arseholes – Alles von der ‘…bis zum bitteren Ende’-LP
4. The Replacements – Bastards Of Young
5. Dead Kennedys – Stars & Stripes Of Corruption
Und hab nun hundert andere tolle Songs außen vor gelassen. Schande.