Dicker als Wasser, lauter als startende Flugzeuge

Manchmal frage ich mich, was andere Leute wohl über meine Familie und mich so denken. Abseits von alltäglichen Zuweisungen und dem tolerierten Horizont an Verhaltensweisen legt die nämlich ab und zu ein Auftreten an den Tag, welches mich eigentlich peinlich berührt zurücklassen sollte. Ganz gerne kann da beispielsweise ein Einzelhändler in den Genuss einer Großfamilie kommen, die seinen Laden in Beschlag nimmt - wohlgemerkt nur zum Umsehen, in den seltensten Fällen wird etwas gekauft - und dem Begriff der fehlplatzierten Dörflichkeit durch lautstarke Anmerkungen zum Warenbestand und zur doch etwas komisch geratenen Inneneinrichtung ganz neues Leben einhaucht.

Auch zeigen sich Grenzbeamte, die einem Familienmitglied mit vorgetäuschten Mängeln in den Ausweispapieren den Zutritt zu ihrem Land verwehren wollen schwer verwirt, wenn statt des erwarteten Fünfzigers in der Hemdentasche plötzlich eine zweistellige Anzahl an Menschen um sie herumsteht, und wissen will, was Sache ist. Dabei wird wild gestikuliert; auch die durchschnittliche Sprechlautstärke scheint in meiner Familie etwas höher angelegt zu sein, da pfeifen schon manchmal mir selbst die Ohren.

Trotzdem, peinlich berührt bin ich davon eigentlich nicht.

Eher empfinde ich sowas wie Stolz. Nein, nicht den feinen Stolz der edlen Leute, die zufrieden über ihre Ländereien blicken. Eher den Stolz der Holzfäller, ohne deren Axt im Walde kein Haus gebaut werden könnte.

4 Kommentare

  1. 7 April, 2008 geschrieben in 21:01 Uhr nachmittags | Permalink

    Hm… erinnert mich in gewisser Weise an meine Familie. Zumindest das mit der Lautstärke. So ist das bei Südeurpäern. Und meine Mutter neigt dazu, sich in den Geschäften mit den Fachverkäufern anzulegen. So ist das mit der Familie. Aber mich stört es eigentlich auch nicht.

    Lg, Deine Viktoria

  2. 7 April, 2008 geschrieben in 21:57 Uhr nachmittags | Permalink

    Da hast Du recht, die eigene vermaledeite Familie muss man einfach lieben. Auch wenn ich zugeben muss, dass die Akzeptanz gegenüber meiner Familie bei mir etwas dauerte, aber mit dem Alter kommt auch die Nachsicht ;)

  3. 7 April, 2008 geschrieben in 22:25 Uhr nachmittags | Permalink

    Also besonders lustig war es bei uns immer an weihnachten, weil da gab es grundsätzlich IMMER Zoff zwischen meiner Oma, meiner Mutter und ihren Geschwistern. Das war immer etwas merkwürdig - und so ganz anders als die besinnlichen Weihnachten hier in Deutschland. Aber am Ende haben sie sich immer zusammen gerauft.
    Das “Gute” ist, dass ich meine Familie mütterlicherseits - außer meine Mutter - nur gut einmal im Jahr für mehrere Wochen sehe. Danach habe ich das darauf folgende Jahr aber auch bitter nötig! ;) Schlimm, von Menschen umgeben zu sein, die anscheinend kein Bedürfnis nach Privatsphäre haben und für die die Tatsache, dass man ein Buch liest, darauf hindeutet, dass man beim letzen Grad der Langeweile angekommen ist… aber zeitweise ist es auch ganz lustig mit dem Haufen.

  4. 8 April, 2008 geschrieben in 17:41 Uhr nachmittags | Permalink

    Solche Situationen kenn ich auch zu Genüge. Wobei es bei uns eine eingeheiratete Person gibt, die es trotz lautestem Tohuwabohu fertig bringt, immer einzuschlafen.

    Auch sehr lustig ist Urlaub mit der Familie, da ist der Unterschied zum Kindergarten nicht mehr so groß ;)

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