Deine Eltern sind stinkreich, Du stinkst

Beliebte rhetorische Mittel - die ich zugegebenermaßen auch selber gern verwende, ein bisschen scheiße ist nun mal jeder - mit denen man sich aber eigentlich sofort ins Abseits manövriert, sind folgende:

Der Vorwurf an die verschiedene Vertreter konträrer Positionen, wie pawlowsche Hunde beim kleinsten Gebimmel zu bellen. Wird dies zusätzlich noch mit einer Variation des allseits bekannten Sprichworts, dass getroffene Hunde bellen, garniert, dann ist man längst jenseits aller erreichbarer Diskussionskultur.

Das Brechen vermeintlich politisch korrekter Regeln ohne argumentative Begründung, Kunstabsicht oder integrativen Impuls. Passiert meistens am Stammtisch - wer als letztes kommt zahlt die nächste Runde Menschenverachtung - und sollte da auch bleiben. Auch wenn es da schon kaum zu ertragen ist, kann man sich wenigstens noch damit beruhigen, nicht mit am Tisch zu sitzen.

Die Verwendung militärischer Metaphern und Analogien. Wenn im Feuilleton oder anderswo irgendein Blödarsch einen ‘Sprengsatz zündet’ oder irgendwas als ‘Sturmgeschütz’ bezeichnet, dann ist das vielleicht sein gutes Recht, es muss aber nicht daran anknüpfbar oder überhaupt argumentativ untermauert sein. Komischerweise geht das meistens einher mit einem Gültigkeitsanspruch, der nur der eigenen Meinung verliehen wird. Logisch, es ist ja schließlich Krieg.

Auch noch erwähnenswert: Wichtigkeit suggerierende Vokabeln wie echauffieren, justiziabel, cui bono und Chapeau. Nicht zu vergessen auch die synekdochische Verallgemeinerung einer Vielzahl von ausdifferenzierten Personengruppen. Letzteres ist besonders traurig und lässt nur die exemplarische Schlussfolgerung zu, das man selber auch nicht anders betrachtet werden möchte.

Bevor jemand fragt: Damit sind all jene gemeint, die meinen, damit nicht gemeint zu sein. Einzige Ausnahme sind die, die wirklich nicht damit gemeint sind.

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