Fliegender Frequenzabgleich
Mit der Filmtechnik ist das so eine Sache. Denn trotz einigermaßen annehmbarer physikalischer Grundausbildung an deutschen Schulen gibt es in diesem Bereich etliche Dinge, die erst verstanden werden wollen. Ein alter Hut ist da der nette Effekt, dass sich manchmal, etwa wenn Bruce Willis mit dem Taxi durch New York brettert, die Räder des Autos rückwärts zu drehen scheinen.
Die Ursache ist schnell erklärt: ein Film wird mit 24 Bildern pro Sekunde (die Europäer brauchen eine Extrawurst, da sind es wegen des PAL-Standards auch mal 25) aufgenommen. Was bedeutet, dass grob vereinfacht eben nur die Hälfte einer Sekunde als Abfolge von Filmbildern existiert, die restliche Hälfte ist schwarz. Die Drehung des Rades auf Film ist damit erstmal nur eine Aneinanderreihung von Einzelbildern, die nicht unbedingt eine flüssige Vorwärtsbewegung ergeben müssen, zum Beispiel wenn das Rad bei hohen Geschwindigkeiten – was bei Bruce Willis nicht selten vorkommt – zwischen zwei Einzelbildern eine Dreivierteldrehung zurücklegt. Dann erscheint es uns, als ob sich die Räder rückwärts drehen würden.
Nun könnte man das Malteserkreuzgetriebe verfluchen, weil das so verdammt schwer nachzuvollziehen ist, aber damit würde man beinahe 150 Jahren Filmgeschichte unrecht tun, vor allem weil die im Vergleich zur Videotechnik mit ihrem Halbbildgedöns noch ziemlich einfach ist. Und weil – und das ist eigentlich der Grund für diesen Beitrag – dann solche herrlichen Experimente, in denen ein Helikopter trotz scheinbar stillstehendem Rotor in der Luft bleibt, nicht möglich wären.
