Die Ikonographie der rebellischen Jugend von gestern ist die Lachnummer von heute

Mit der Freundin alte Familiengeschichten aufgewärmt. Diese in beinahe Ritualform und regelmäßigen Abständen wiederholten Anekdoten, die wohl jeder Familie eigen sind und ohne die das Fundament dieses Beziehungsgeflechts schnell bröckeln würde. Mantras für eine Institution der sozialen Einheit. Da ist klar, das deren Neuigkeitswert gegen Null geht. Manchmal aber auch neue Einsichten. Die Freundin erzählte von einem Mitglied ihres engsten Familienkreises, welches sich damals Mitte der 90er, das Logo der berühmt-berüchtigten Ryker’s aus Kassel tätowieren lassen wollte. Nur echt mit Apostroph und platter Attitüde. Das allein wäre schon schlimm genug gewesen, denn nicht umsonst bin ich bis heute gegenüber Leuten skeptisch, die mit den Ryker’s zum Hardcore gekommen sind.

Ich habe das bis jetzt immer unter Jugendsünde verbucht, denn trotz aller Bedenken kann ich in Grenzen nachvollziehen, dass ein Motiv wie dieses mit seinem straßenaffinen Graffitistyle und juvenil-provozierender Gewaltassoziation für Frischlinge in der Pubertät durchaus attraktiv wirkt. Nun ja, bis heute konnte ich das nachvollziehen. Bis mich die Freundin am Esstisch aufklärte, dass besagtes Familienmitglied eigentliches das andere Logo der Kasseler Brüllaffen auf die Wade haben wollte. Eine ganz neue Dimension: das Ding ist dermaßen hässlich, da zieht es mir heute noch die Schuhe aus. Glücklicherweise haben die Eltern das untersagt.

Dafür reformieren sich die Ryker’s wieder. Fragt sich was besser ist.

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