Betroffen aufessen

Jedesmal wenn irgendwo etwas Schlimmes passiert, schaut Birgit Schrowange sehr ernsthaft. Oder amüsiert. Oder lüstern. Ein endgültiges Urteil will ich mir nicht erlauben. Und so genau kann man das auch nicht sagen, da man die Rezeption des Gefühlszustandes von Frau Schrowange immer aus den Gegenschnitten ihrer Interviewpartner ablesen muss, während die Silhouette von Lev Kuleshov - im Anschnitt etwa ein Viertel des Bildes verdeckend - dazu wissend nickt. Wenn er denn noch leben würde, der alte Russe.

5 Kommentare

  1. 6 Mai, 2008 geschrieben in 0:00 Uhr vormittags | Permalink

    Kuleshov-Effekt: jetzt weiß ich auch endlich, wofür das “k” steht in xkcd.

  2. 6 Mai, 2008 geschrieben in 7:39 Uhr vormittags | Permalink

    Hm, für was steht der Rest? Ich hab da noch nie darüber nachgedacht…

  3. 7 Mai, 2008 geschrieben in 12:52 Uhr nachmittags | Permalink

    Oh, nach mehr als 30 Stunden rappelts im Karton und ich hab Deine Kuleshov-Anspielung auf xkcd verstanden. Von wegen Strichmännchen ohne Gesicht, die im Kontext des umgebenden Framings dann doch wieder emotional gefüllt werden. Manchmal stehe ich echt auf dem Schlauch…

    Zum Glück bin ich kein Feuerwehrmann ;)

  4. 7 Mai, 2008 geschrieben in 13:24 Uhr nachmittags | Permalink

    Ah, ich war schon am Zweifeln, aber Sachen zu erklären ist mir auch unangenehm ;) Passt übrigens noch besser auf die Webcomics, die sowieso immer nur dasselbe Bild recyclen und mit anderen Sprechblasen ausstatten: Jesus & Mo z.B. Was an sich das vermeintlich dümmste Modell ist, weil es teilweise wirklich viermal dasselbe Bild ist; trotzdem funktionierts.
    Aber sehr cool jetzt eine medientheoretische Begrifflichkeit dafür zu haben :-)

  5. 7 Mai, 2008 geschrieben in 15:47 Uhr nachmittags | Permalink

    Stimmt, bei denselben Bildern ist es immer besonders auffällig, wie sich deren Wirkung immer erst durch die Art der Rahmung verändern kann. Da sind auch einige der LOLcats - ich oute mich mal als Fan - ganz vorne mit dabei. Oder um etwas Klassischeres zu nehmen: In 2001 wird HAL mittels der beinahe immer gleichen Einstellung seines roten Computerauges und durch den Einsatz seiner monotonen Stimme inszeniert. Erst im Kontext der umgebenden Aktion und Reaktion, das schließt uns als Zuschauer mit ein, entsteht sowas wie emotionale Tiefe.

    Auch das Zitieren, sei es auf Text- oder Bildebene hat eine ähnliche Dimension. Und noch allgemeiner könnte das auch eine generelle psychologische Rezeptionsweise sein. Es gibt ja Situationen, in denen einem beispielsweise nachhaltig klar gemacht wird, dass man todsicher böse geguckt hätte, obwohl man selber eher ein neutrales Auftreten an den Tag legte ;)

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