Rekrutierungsmaßnahmen

2008 Juni 5

Es geht quälend langsam voran. Alle fünf Minuten beschleicht ihn sogar das Gefühl, die Zeit wäre komplett stehen geblieben. Um ihn nur träge Masse, die zitternd in sich verharrt, der herbeigesehnte Impuls von außen – der Stein des Anstoßes, denkt er so bei sich – noch in weiter Ferne. Er schaut auf die Uhr an seinem Handgelenk, die Oberfläche des Glases so zerkratzt, dass er kaum mehr die wandernden Zeiger darunter ausmachen kann. Aber dennoch, sie bewegen sich. Es ist spät, aber noch nicht zu spät.

“Irgendwann,”, sagt er ein wenig zu laut zu der Person vor ihm, “irgendwann werde ich nicht mehr hier stehen müssen, irgendwann stehe ich auf der anderen Seite.” Er zeigt auf den Schalter weit vor ihnen, eingerahmt von stichigem Milchglas und unverständlichen Beschriftungen, noch weiter entfernt als der Horizont. “Dann ist es endlich vorbei mit dieser täglichen Tortur.” Die Person vor ihm dreht sich zu ihm um, die Augen wie Sand. “Das glaube ich Ihnen.” ertönt es aus ihrem Mund, der sich beinahe unmerklich bewegt. “Die suchen immer motiviertes Personal.” Mit ihren groben Händen scheint sie dabei etwas an einen ungerichteten Gesprächspartner zu signalisieren.

Als er nur noch einige Schritte vom Schalter entfernt ist, ziehen sie ihn raus.

Lautlos und unbemerkt.

Zwei Tage später haben Sie seine Persönlichkeit gelöscht, durch Prozessanweisungen und Phrasenkontingente ersetzt und ihn in ein weißes Button-down-Hemd gesteckt. Er ist jetzt das, was auf dem Namensschildchen an seiner Brust steht: Bob, Customer Support.

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