Freie Fahrt für mündige Bürger

Auf der Straße gibt es mittlerweile nur noch wenig, was mich überraschen kann. Zwar könnte ich nicht behaupten - und schon gar nicht nachvollziehbar belegen - schon alles gesehen zu haben, aber trotzdem, die bisherige Spannbreite meines automobilen Erfahrungsschatzes ist recht umfangreich. Und wenn man dann so unterwegs ist auf den Straßen, die eigentlich allen gehören, auch wenn es da so einen schlimmen Song gibt, der daraus Individualeigentum machen will, dann sieht man vieles.

Darunter ist vieles, was man eigentlich nicht sehen will und vieles, was man nie für möglich gehalten hätte. Ich weise nur auf die Unzahl an fliederfarbenen Metalliclackierungen in Flammenform hin, die einige aufgebohrte Kleinwagen zieren. Das ist beschämend, in erster Linie für das Auto und dessen Fahrer (es sind immer Männer), in zweiter Linie aber auch für seine Mitmenschen, die kaum glauben können, dass sie zur gleichen Spezies gehören. Irgendein Dorf vermisst immer seinen Idioten, heißt es.

Aber natürlich gibt es auch andere hervorragende Beispiele für ein Übermaß an Personalisierung des eigenen Fahrzeugs, die nicht selten Kopfschütteln auslösen. Was mir beispielsweise das Wissen bringen soll, dass zwei Bratzen namens Kevin und Wiebke ON TOUR sind, kann ich bis heute nicht erkennen. Ganz abgesehen von den tausend anderen Kindern - mittlerweile wahrscheinlich schon sechzehn und mit Alkoholproblem - die das gleiche Schicksal teilen. Da kann es dann kein Wunder sein, dass die Fahrer stark personalisierter Karossen eine aggressivere Fahrweise besitzen [via], auch wenn es eigentlich anders herum sein sollte.

Lösungen sind rar und Alternativen nicht existent. Seit einigen Tagen benutze ich die öffentlichen Nahverkehrsmittel, und die sind auch nicht zu empfehlen. Da fahren nur Leute mit, die meinen, die anderen wären Idioten und nur sie würden es richtig machen. Was ja so subjektiv gesehen auch stimmt.

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