Norbert Bolz & die Rhetorik des Antichristen

Im folgenden Absatz wird kurz paraphrasiert, was Professor Norbert Bolz, der oft ohne schlüssigen Grund auch als Medienwissenschaftler bezeichnet wird, in einem schon etwas älteren Interview, in Webzeit gemessen ist April schließlich schon Jahre her, mit dem Focus behauptet. Da Herr Bolz ihn ebenfalls kaum verwendet, sei der Einfachheit halber auf den Konjunktiv verzichtet. Nun aber zu seinen Thesen, hoffentlich verständlich zusammengefasst:

Atheismus ist überbewertet und in keinster Weise als Standortbestimmung bezüglich der eigenen Position ernst zu nehmen. Der Mensch muss glauben, an das Wissen der Religion, welches die gerade stattfindende Wertediskussion als ziemlich dämlich erscheinen lässt. Als ob in der Bibel irgendetwas von Werten stehen würde. Von Paulus kann man in dieser Hinsicht sehr viel mehr über das richtige Leben lernen als von Habermas. Aber was macht die Masse? Betet die Götzenbilder der sozialen Gerechtigkeit, der schützenswerten Umwelt oder den sogenannten Dialog der Kulturen an, der nichts anderes ist als die eigene geistige Kapitulation. Gebannt von der Rhetorik des Antichristen stehen wir unter dem Diktat des Gutmenschentums und der Political Correctness. Nur wenn wir uns Gott unterwerfen - nicht dem islamischen oder einem anderen, dem christlichen, weil wir hier in Europa die Weisheit gepachtet haben - können wir die Befreiung erleben, die im Moment Deutschland fehlt. Ganz im Sinne der Aufklärung muss das den intelligenten Leuten hierzulande endlich klar gemacht werden.

Soweit der Herr Bolz. Alles klar? Sollte man noch weitere Aufklärung benötigen, kann man auch sein neues Buch kaufen. Da scheint es etliches mehr über soziale Gerechtigkeit und Teamfähigkeit, die nach Herrn Bolz eigentlich nur die Masken von Neid und Hass auf Erfolgreiche sind, zu geben. Klingt komisch? Ja klar. Aber warum schreibt der sowas? Das ist eine schwierige Frage, vielleicht sollte man sich dazu diese nett vernichtende Kritik zu seinem 2007 erschienenen ABC der Medien durchlesen. Oder, wenn man zu faul ist, sich mit akademischen Crackpots zu beschäftigen, nur diesen Auszug:

Tatsächlich geht es auch nicht um Nachdenken, mehr um Nachsprechen. Bolz ist ein akademischer Stimmenimitator. Damals, an der Freien Universität Berlin, konnte er am besten die von Walter Benjamin, Carl Schmitt und allen französischen Philosophen. Aber auch frühgnostisch oder spätmarxistisch konnte er reden. Und wenn er heute Thesen wie die auf den Markt trägt, Männer seien natürlicher- wie effizienterweise “Jäger nach dem Profit”, Frauen hingegen besser Hüterinnen des Herds, dann übt er offenbar gerade Karaoke mit Textcollagen aus Eibl-Eibesfeldt und Gary S. Becker.

Damit wäre alles klar. Der Herr Bolz ist wohl beim letzten Abklappern seines Bücherregals auf die Bibel gestossen und hat sie nicht wieder ins Regal gestellt. Da sieht man wieder, wie gefährlich dieses Buch ist. Bleibt nur die Frage, wer dem Herrn Bolz das da reingestellt hat und ob er irgendwann aus dem Labyrinth der Postmoderne wieder rausfindet. Und warum ausgerechnet er es sich als religiös unmusikalischer Mensch - so zumindest seine Selbstbezeichnung - leisten kann, keinen einzigen Ton zu treffen.

2 Kommentare

  1. 23 Juni, 2008 geschrieben in 13:07 Uhr nachmittags | Permalink

    Es ist tatsächlich sehr lustig, sagenwirmal so 10 Jahre alte Bücher über “Cyberspace” und ähnliche Scherze von ihm zu lesen.

    Norbert Bolz ist das Raumschiff Orion des Feuilleton-Boulevards. Oder so.

  2. 23 Juni, 2008 geschrieben in 16:32 Uhr nachmittags | Permalink

    Naja, wenn es um Cyberspace und Virtuelle Welten geht, haben sich damals auch andere Medienwissenschaftler und Feuilletonisten nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Das kann ich aber unter Unerfahrenheit und fehlender teilnehmender Beschäftigung mit dem Internet abhaken (und fehlender Kenntnis dessen, was technisch überhaupt möglich war, denn merke: Computerkunst-Installationen im ZKM oder das Medialab am MIT sind zwar toll und interessant, hatten aber selten was mit den wirklichen Prozessen im Netz zu tun).

    Aber wie da bei Bolz jetzt so ein Sprung in neokonservative Fahrwasser, gekreuzt mit religiös-christlichen Motiven zustande kommt ist mir ein Rätsel. Ich hoffe in 10 Jahren wird das genauso belächelt wie wir heute VR-Brillen aus den 90ern belächeln.

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