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Stammkunde

In Unkatzegoriert on 23. Juni 2008 by Mark Mit Tag(s) versehen: , , ,

Gewisse interpersonelle Formen der Kommunikation sind für Außens(t)ehende manchmal schwer zu durchschauen. Das wird jeder wissen, der schon mal einem Insider-Witz, bei dem der Rest brüllend am Boden lag, mit einem fragenden Gesichtsausdruck begegnen musste. Es ist eine seltsame Mischung aus gefühlter Ausgeschlossenheit, mildem Amüsieren und genereller Hilflosigkeit, der sich eine solche Person ausgesetzt sieht. Natürlich versucht man solche Situationen mit geflissentlicher Nonchalance zu meistern oder, wenn man dazu nicht in der Lage ist, zu vermeiden. Aber manchmal trifft es einen doch.

Ich will jetzt nicht behaupten, dass es ein Insider-Witz zwischen Kunde und Einzelhändler war, der mich heute so irritierte. Vielleicht war es auch nur der sanfte Wahnsinn, der sich eine breite Schneise durch den örtlichen Supermarkt geschlagen hat. Der junge Filialleiter, mit der Ameise unterwegs, um größere Mengen an Waren in die Regale zu befördern, hatte den schmalen Gang zwischen dem Kühlregal und der Gitterbox mit den Schnäppchen – darunter Joghurt mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum für 12 Cent – mit einer Palette zugeparkt. Eine Dreistigkeit, die den Kunden, der offenbar genau die Käsesorte haben wollte, die er nun mit seinen durchschnittlich langen Armen nicht mehr zu erreichen in der Lage war, sehr erzürnte. Warum denn die Drecksau wieder alles zubaue, fragte er den Filialleiter. Und überhaupt, er werde hier immer angeschnauzt von diesen Drecksäuen in Kittelschürzen. Ich stand daneben und war ob dieser offensiven Anrede etwas beschämt.

Aber so etwas war der Filialleiter offenbar schon gewohnt. Er müsse nun mal die Waren einräumen, sonst könne man ja auch nichts kaufen, war seine Antwort. Und das müsse der Herr, da er schließlich nicht das erste Mal hier einkaufe, doch auch wissen. Der Esrom, den er suche, befände sich übrigens zwei Meter weiter im Regal, frei zugänglich und heute sogar im Sonderangebot.

Ich sah zu, dass ich so schnell wie möglich da rauskam.

2 Antworten zu „Stammkunde“

  1. Es wirklich ein Kreuz mit den Verkäufern. Sie müssen freundlich sein. Ich selbst hatte mal mit einer Kundin zu tun, die ganz offensichtlich dem Wahnsinn verfallen war und behauptete dass die Gemüse Gurke die sie einen Tag zuvor von MEINEM Gemüsestand gekauft hatte, matschig war. So wurde ich dann zum Betriebsleiter zitiert bei dem sie stand. Ich habe natürlich alles zugegeben und ihr eine neue in die Hand gedrückt. Am liebsten hätte ich sie Ihr aber um die Ohren gehauen, aus der Gosse wo ich herkomme wird ein quadratcentimeter faulen Fleisches rausgeschnitten und das Gemüse trotzdem gefressen. Da macht man halt vorher mal die Augen auf bevor man sich eine matschige Gurke anlacht.

    In meiner Gegend gibt es einen Supermarkt, der mit L anfängt und mit L aufhört. Die Verkäuferinnen sagen dort immer freundlich „Auf Wiedersehen“ auf einer Art der man anmerkt, dass sie es müssen.

  2. Oh ja, die Kundschaft. Die Freundin hat eine Zeit lang in der Tourist-Information gearbeitet und da immer Schreckgeschichten erzählt. Offenbar sind die Leute im Urlaub noch viel hemmungsloser.

    Aber besagter Discounter, in dem ich heute war, der schein prädestiniert für solche Sachen. Wenn es nicht die zu braungebrannte Frau mittleren Alters mit jeder Mende Gold an den Händen ist, die sich an der Kasse darüber aufregt, dass die 12 tiefgefrorenen Hirschfilets nicht zurückgelegt werden können, bis sie den furchtbar wichtigen Termin, den sie noch wahrnehmen muss, hinter sich hat, dann ist es eben einer, der gerne andere als Drecksau beschimpft.

    Zum Glück bin ich da nur Kunde ;)

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