The End of the Fahnenstange

2008 Juli 21

Es wurde ja langsam wirklich mal Zeit, dass das auf den zweiten Blick unerträglich unbegründete Herumpostulieren von Chris Anderson bei Wired endlich einer kritischen Betrachtung unterzogen wird. Von dem erwarteten Scheißeregen, den ich beim erstmaligen Lesen des Andersonstückes schon herabprasseln sah, habe ich bislang leider kaum etwas mitbekommen. Das kann wohl daran liegen, dass die TED-Crowd – so nenne ich bei mir, angelehnt an die gewürfelte Mischung aus schaler Utopie und hanebüchenem Spektakel der gleichnamigen Konferenz, die Gruppe Menschen, die vornehmlich in netzbasierten Medien arbeiten und nur noch in entsprechenden Maßstäben denken können – jeden unwissenschaftlichen Schwachsinn als ernsthaft zu debattierende Idee begrüßt, solang er nur möglichst viel bahnbrechend fundamentalen Wandel verspricht.

Als ob man aus mittlerweile etlichen Jahren Webgeschichte nichts gelernt hätte. Als ob das Neue von gestern nicht schon immer das Normale von heute gewesen wäre. Abgesehen davon, dass man sich selbst zu wichtig nehmen kann: Wann hat die letzte Revolution nicht auf den Straßen, sondern im Feuilleton stattgefunden?

Wie bitte? Ich höre nichts.

  1. 2008 Juli 21

    Eigentlich war ich ganz zufrieden, dass die Sache ziemlich belanglos versandet ist. Ein paar kleine widersprechende Artikel dazu, ein kurzer Anschnitt beim Science Saturday von bloggingheads.tv — aber so richtig ernst hat das alles scheinbar keiner genommen. Nur eben eine neue blöde Theorie über Wissenschaft, die hauptsächlich vom Unverständnis gegenüber der Methodik handelt.

    Vielleicht war’s auch keine Reife, sondern inzwischen schon Apathie. Bei dem Quatsch, der teilweise über Wissenschaft geschrieben und verbreitet wird, kann man sich gar nicht mehr mit allem beschäftigen.

  2. 2008 Juli 21

    Oh, beim Googlen bin ich auch auf eine ganze Reihe an Leuten gekommen, bei denen das auf offene Ohren gestoßen ist. Das war aber wohl auch die Zielgruppe: bloggende Web-Entrepreneure und Selbstvermarkter – die erkennt man zum Glück immer daran, das irgendwo Schlagworte wie ‘Innovation’ im Header stehen. Das es dagegen im wissenschaftlichen Webdiskurs versandet ist, kann ich nur begrüßen.

    Bei dem Quatsch, der teilweise über Wissenschaft geschrieben und verbreitet wird, kann man sich gar nicht mehr mit allem beschäftigen.

    Man muss auch nicht auf jedem Nebenschauplatz präsent sein. Das Gute am Netz ist, dass es immer jemanden gibt, der das für einen übernimmt. Wenn der jetzt auch noch meine Steuerklärung macht, dann schrei ich auch „Halleluja, die Singularität!“ Die Wahrscheinlichkeit ist aber sehr gering.

    Eine andere Frage ist, ob man mit dem Alter nachsichtiger oder nur müder wird ;)

  3. 2008 Juli 22

    Gut, recherchiert hab ich es nicht. Wobei es mich auch nicht so wahnsinnig stört, ob bei gewissen Leuten jetzt was von Kristallenergien, positivem Denken oder dem Ende der Theorie steht.

    Eine andere Frage ist, ob man mit dem Alter nachsichtiger oder nur müder wird ;)

    Finden wir alle bald raus. Blogjahre gelten auch mal sieben.

  4. 2008 Juli 22

    Verdammt, dann bin ich immer noch nicht volljährig.

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