Auf dem Weg hierher und auch in der ganzen Stadt stehen die Plakate. An billig zu erwerbenden und einfach zu transportierenden Sperrholzrahmen befestigt, wie Hunde an Raststätten an allen Straßenecken zurückgelassen, auf das sie ihre vorgesehene Aufgabe zur vollsten Zufriedenheit erfüllen mögen. Da offenbart sich auch gleich das erste Hindernis, denn der Zwang, bei der Plakatgestaltung an der eigenen Duftmarke im öffentlichen Raum, den Parteifarben, festzuhalten, hat eines unweigerlich zur Folge: Unleserlichkeit. Das ist schade, denn Brot, Rettich und Essen würden als lose Worte – wie sie da allein die obere Hälfte des Plakats bestreiten müssen, ein Triptychon der typographischen Vernachlässigung – ein Mehr an Aufmerksamkeit verdienen. Nun mag sich der geneigte Spaziergänger denken, dass aber doch die Absicht zähle. Schließlich sei am Ort der Festlichkeit, dem Innenhof einer Blumenhandlung, zudem noch einiges mehr an Zeitvertreib geboten: Akkordeonmusik etwa, oder auch der Besuch des Ministers für Bundes- und Europaangelegenheiten hier im Freistaat. Der mag bestimmt Rettich. Und wenn nicht, dann wird er immerhin so tun. Gehört alles zum Job. Auch, dass er danach noch geflissentlich einen weiteren Termin wahrnehmen könnte: Bei der Bürgerinitative Ausländerstopp ist Eimersaufen mit zweiprozentigem Sangria.
Zum Glück wohne ich nicht in dieser Stadt.

