Kaschemmen & Spelunken
Als Kind war ich mit meiner Mutter einmal in der Stadt unterwegs. Das kam selten genug vor, und eigentlich wurde die recht provinzielle Kreisstadt, die mir damals allerdings als infernalischer Moloch erschien, nur aufgesucht, wenn unumgängliche Angelegenheiten wie Behördengänge und Facharztbesuche beispielsweise einen dazu zwangen. Dorfmenschen mögen die Stadt nun mal nicht. Und natürlich: Ich quengelte ob des überbordenden Angebotes an Verlockungen, die zumindest damals für mich alles andere als alltäglich waren, vor allem eine fixe Idee hatte sich in meinem Kopf festgesetzt: Ich wollte unbedingt Pommes Frites. Dies tat ich auch lautstark kund. Man kann über krakeelende Kinder denken was man will, aber sie erwecken in anderen eine nicht zu unterschätzende Motivation, sie zum Schweigen bringen zu wollen. Das wusste ich natürlich nur zu genau.
Also machte meine Mutter das einzig logische: An der nächsten Plastiktafel, auf der mit Kreide fettige Spezialitäten angeboten wurden, bog sie ab und bestellte einmal Pommes mit Ketchup. Ich allerdings wusste plötzlich nicht mehr so richtig, ob ich überhaupt welche wollte, da wir in einer Pilskneipe der übelsten Sorte – Bahnhofsnähe bedeutet eben auch in provinziellen Kreisstädten genau das, was Bahnhofsnähe auch in Frankfurt bedeutet – gelandet waren. Kulturschock hätte man es nennen können, was ich während der zehn Minuten erlebte, in denen der Inhaber die Friteuse anfeuerte und uns schließlich eine Tüte Pommes mit Ketchup übergab. Man könnte aber auch einfach sagen, ich hatte die Hosen gestrichen voll, da läge man auch nicht falsch. Nun, mittlerweile ist mir klar, was der Unterschied zwischen Eckkneipen und Wirtshäusern ist.
Genauer betrachtet kenne ich ihn vielleicht ein bisschen zu gut.
