Der Krieg da unten ist kein Krieg, der ist nur Deko, frei nach Rainald Gebe gesagt. Mit ziemlich überzeugenden Kulissen, da haben sich die Ausstatter nichts geschenkt, ebenso wenig die Castingleute, die eine schier unüberschaubare Anzahl kleinerer und größerer Statisten, Haupt- und Nebenrollen gefunden haben. Nicht zu vergessen die Produktion, die einen fast noch nie dagewesenen Material- und Menschenaufwand zur Verfügung hat und diesen effektvoll zu nutzen weiß. Ein größeres Stück wurde selten auf die hiesigen Bühnen gebracht. Und klar, die Kritiker echauffieren sich rechts und links, manche finden die Inszenierung unangemessen, manche die schauspielerischen Leistungen wenig überzeugend. Bis ins kleinste werden die Feinheiten weiter debattiert – natürlich nur insofern die Meinung nicht schon feststeht – das Glas Rotwein in der einen Hand, die andere in nachdenklich-tiefschürfender Geste am Kinn. Hitziger wird es ab und zu auch, aber das gehört in diesen Zeiten einfach dazu. Doch trotz den vernichtenden oder lobpreisenden Feuilletonartikeln: das Publikum scheint fasziniert. Überlegungen, aus dem ganzen noch ein Musical zu machen, inklusive einem eigens dafür errichteten Prunkbau irgendwo in den Brachen des Ruhrpotts, sind schon zu vernehmen.
Komisch nur, dass die da unten nach gefallenem Vorhang und stehenden Ovationen nicht friedlich in der Garderobe zusammensitzen und ein Gläschen zu sich nehmen, bevor es heim zu Frau und Kindern oder wahlweise auch zu der süßen Produktionsassistentin geht.
Immerhin, die nehmen ihren Job ernst.
Wir auch.
Wir sind gut darin, andere Menschen nur als Bilder anderer Menschen zu begreifen.