Veröffentlicht in Januar 2009

It’s Kerry King in a lab coat! Run!

Es gibt immer eine Person, die, sollte in kleinerem oder größerem Kreise eine humoristische Anekdote oder gar eine Zote erzählt werden, die Pointe erst nach verklungenem Gelächter, etlichem Nachfragen und bemühter Rekonstruktion dessen, was daran eigentlich komisch war versteht. Der Anfang einer solchen humoristischen Anekdote könnte in etwa so lauten:

Zum Weihnachtsfest bekam ich ein Abonnement der Zeit geschenkt, von der heute auch das erste Exemplar eintrudelte, zwar einige Stunden später als erwartet und nicht im dafür vorgesehen Briefkasten, aber dennoch. Beim Durchblättern sprang mir auch gleich ein kurzer Artikel, nein, ein Interview ins Auge. Und die Pointe? Nun, die könnte diesen Wortlaut haben.

Gute Witze sollten eben alle Jahre wieder erzählt werden.

Ich weiß nur nicht ob der wirklich komisch ist.

Getaggt mit , , , , , ,

Die europäische Perspektive

Der Krieg da unten ist kein Krieg, der ist nur Deko, frei nach Rainald Gebe gesagt. Mit ziemlich überzeugenden Kulissen, da haben sich die Ausstatter nichts geschenkt, ebenso wenig die Castingleute, die eine schier unüberschaubare Anzahl kleinerer und größerer Statisten, Haupt- und Nebenrollen gefunden haben. Nicht zu vergessen die Produktion, die einen fast noch nie dagewesenen Material- und Menschenaufwand zur Verfügung hat und diesen effektvoll zu nutzen weiß. Ein größeres Stück wurde selten auf die hiesigen Bühnen gebracht. Und klar, die Kritiker echauffieren sich rechts und links, manche finden die Inszenierung unangemessen, manche die schauspielerischen Leistungen wenig überzeugend. Bis ins kleinste werden die Feinheiten weiter debattiert – natürlich nur insofern die Meinung nicht schon feststeht – das Glas Rotwein in der einen Hand, die andere in nachdenklich-tiefschürfender Geste am Kinn. Hitziger wird es ab und zu auch, aber das gehört in diesen Zeiten einfach dazu. Doch trotz den vernichtenden oder lobpreisenden Feuilletonartikeln: das Publikum scheint fasziniert. Überlegungen, aus dem ganzen noch ein Musical zu machen, inklusive einem eigens dafür errichteten Prunkbau irgendwo in den Brachen des Ruhrpotts, sind schon zu vernehmen.

Komisch nur, dass die da unten nach gefallenem Vorhang und stehenden Ovationen nicht friedlich in der Garderobe zusammensitzen und ein Gläschen zu sich nehmen, bevor es heim zu Frau und Kindern oder wahlweise auch zu der süßen Produktionsassistentin geht.

Immerhin, die nehmen ihren Job ernst.

Wir auch.

Wir sind gut darin, andere Menschen nur als Bilder anderer Menschen zu begreifen.

Getaggt mit , , , , , , , ,

Auch eine Art des Broterwerbs

Aus Ermangelung eines passenden Stücks Kleingeld frage ich die Person, die gerade ebenfalls versucht, einen Einkaufswagen aus den dafür vorgesehenen Buchsen zu buchsieren [sic!], ob sie mir zwei Euro kleinmachen kann. Kann sie leider nicht, weswegen ich mein Glück an der Kasse versuche und dort in Form zweier passender Münzen auch finde. Das muss insofern erwähnt werden, da es meine Behauptung, dass ich habe ganz gewiss einen Euro in mein Einkaufswagenschloss getan habe, zusätzlich verifiziert. Denn wenn ich einen von diesen komischen Plastikchips bei mir gehabt hätte, ich hätte ihn benutzt.

Deswegen ist meine Verdutztheit umso größer, als ich nach erfolgreichem Einkauf den Wagen wieder in die dafür vorgesehene Buchse buchsiere [sic!] und statt des erwarteten Pfanderlöses eine abgegriffene Unterlagscheibe aus Plastik erhalte. Das legt die Vermutung nahe, dass da jemand die Intervalle nutzt, in denen Konsumenten die Aufsicht über ihre Einkaufswagen unterlassen, um schnell noch die Hausmarke im Regalgang gegenüber zu holen.

Ich kann nicht umhin, die Eleganz dieses Vorgehens ein wenig zu bewundern.

Getaggt mit , , ,
Follow

Get every new post delivered to your Inbox.