Veröffentlicht in April 2009

Die Eliten von morgen sind die Kinder von heute

„Ich meine, der hats so schön gerade. Die machen da ja Kurzarbeit und stell Dir das mal vor, der bekommt achtzig Prozent eines normalen Gehalts, das ist schon einiges, und hat dafür immer so ein, zwei Tage frei.“

— “Das ist ja wirklich sooo cool!“

„Ja, nicht? Das hab ich ihm auch gesagt, da meinte er nur, so genau wär das nicht. Weil er ja schließlich nicht weiß, ob er den Job nächsten Monat noch hat und ob und wie. Trotzdem, für die Kohle würd ich auch kurzarbeiten, auch wenn ich nicht darauf angewiesen bin.“

— „Stimmt, das geht nur, solang man nicht darauf angewiesen ist.“

Das hier ist eine Universitätsstadt. Und es ist wieder Beginn des Semesters. Dazu kommt der Sommer, der sowieso immer die leichtere Seite des Lebens hervorbringt — ganz zu schweigen von den leichtgewichtigen Wirtschaftswissenschaftlern Ende zwanzig, die der Sommer auf die Straße treibt wie im Herbst der Bauer die Kühe beim Almabtrieb — und das Wald- und Wiesenverständnis von wirtschaftlichen, politischen und sozialen Zusammenhängen feiert fröhliche Urstände.

„Mit extra Milchschaum, bitte.“

Das hier ist eine Universitätsstadt. Leider.

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Nicht Littbarski, der Andere!

Von Seiten des deutschen Autors Günther Grass wird ihm gar in einem TV-Gespräch vorgehalten, in seinen wissenschaftlichen Analysen keinen Humor gezeigt zu haben, was Bourdieu einigermaßen die Sprache verschlägt. Später soll der Soziologe vorgeschlagen haben, die Aufzeichnung zu stehlen und zu verbrennen.

Ich würde beinahe behaupten wollen, dass damit das Gegenteil bewiesen ist.

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Ein Festival der guten Launen

Die Nachberichterstattung von der Heimatfront kann nur eine kleine, nennenswerte Begebenheit festhalten: Gute Stimmung, und damit ist explizit die bierselige Rückentwicklung von Menschen in einen Zustand, der sogar dem dümmsten Primaten ein schwerlich zu leugnendes Gefühl intellektueller Überlegenheit vermitteln könnte, gemeint, diese gute Stimmung scheint es im Rahmen schwäbischer Kleinstädterei nur zu geben, wenn der Güllekönig von Radio 7 eine Runde Freibier stiftet. Sonst findet die gute Stimmung eher in den eigenen vier Wänden statt, in denen dann ausgelassen gefeiert wird – wenn nicht gerade die Ehefrau verhauen wird.

Oder gar beides gleichzeitig.

Nun gut, aber was will man erwarten von einem Menschenschlag, den man vermutlich dafür verantwortlich machen kann, dass die FDP ernsthaft als alternative Kraft verstanden wird? Diese Maxi-Cosi-Mentalität der Mittelschicht zeigt ihr Gesicht selten so offensichtlich wie an dem Ort, an dem sich Fuchs und Hase erst dann Gute Nacht sagen, wenn der neue Daimler frisch gewachst vor dem Reihenhaus steht. Zum Glück ein Ort, an dem ich nur abschnittsweise verweile.

Paradoxerweise könnte ich mir aber durchaus vorstellen dort zu leben.

Die Landschaft ist recht ansehnlich.

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