Die Welt ohne Grenzen hat sich – so scheint es zumindest im schwäbischen Hinterland – noch nicht durchgesetzt. Dort ist Globalisierung allenfalls das, was in Stuttgart passiert, wenn eine kleinere oder größere Berühmtheit dort halt macht: Verkehrsstockungen, keine Parkplätze und am nächsten Morgen räumen die Straßenfeger den Müll weg.
Man könnte viel schreiben über die Eigenheiten der schwäbischen Bezugnahme auf das, was in der großen Welt – also alles außerhalb der eigenen Reihenhaussiedlung – so passiert, von dem kleinen Stolz, wenn man am Stammtisch sagen kann, dass Turbinen, an denen man selbst und die eigenen Kinder geschraubt haben, Öltanker über die Weltmeere und vielleicht auch in die Hände afrikanischer Piraten schicken, bis hin zur eklatanten Verbohrtheit, die jedem Migranten mit der Anmerkung, dass man es vielleicht in seinem Heimatland so machen könne, aber hier sei man schließlich woanders, noch jahrelang die verpasste Kehrwoche vorhalten würde.
Da passt es wunderbar ins Bild, dass ich gerade am Telefon erfuhr, dass mein Vater – ein Schwabe mit Migrationshintergrund, wenn man so sagen will, und solche Konny Reimanns sind ja immer die schlimmsten – beim österlichen Restaurantbesuch fehlen wird. Es wird gemutmaßt, dass die Wahl des Speiseortes, die auf ein neu eröffnetes chinesisches Restaurant in einer angrenzenden, unbedeutend größeren Gemeinde fiel, die Ursache hierfür sein könnte.
Nun will ich ihm hier keine Xenophobie oder ähnliches unterstellen, es muss allerdings darauf hingewiesen werden, dass dies ein Umstand ist, wie er schwäbischer nicht sein könnte: Wenn außerhalb vom Ländle die Welt nur noch als Projektion der eigenen Regionalität existiert, dann ist chinesisches Essen noch nicht einmal die kulinarische Variante des konstruierten Anderen. Im Gegenteil, es ist einfach alles mögliche, bis auf eines: etwas, das als Essen für Menschen – das ist in diesem Fall gleichbedeutend mit Schwaben – kategorisiert wird.
Was so gesehen noch viel, viel schlimmer ist.


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