Die Eliten von morgen sind die Kinder von heute

2009 April 20

„Ich meine, der hats so schön gerade. Die machen da ja Kurzarbeit und stell Dir das mal vor, der bekommt achtzig Prozent eines normalen Gehalts, das ist schon einiges, und hat dafür immer so ein, zwei Tage frei.“

— “Das ist ja wirklich sooo cool!“

„Ja, nicht? Das hab ich ihm auch gesagt, da meinte er nur, so genau wär das nicht. Weil er ja schließlich nicht weiß, ob er den Job nächsten Monat noch hat und ob und wie. Trotzdem, für die Kohle würd ich auch kurzarbeiten, auch wenn ich nicht darauf angewiesen bin.“

— „Stimmt, das geht nur, solang man nicht darauf angewiesen ist.“

Das hier ist eine Universitätsstadt. Und es ist wieder Beginn des Semesters. Dazu kommt der Sommer, der sowieso immer die leichtere Seite des Lebens hervorbringt — ganz zu schweigen von den leichtgewichtigen Wirtschaftswissenschaftlern Ende zwanzig, die der Sommer auf die Straße treibt wie im Herbst der Bauer die Kühe beim Almabtrieb — und das Wald- und Wiesenverständnis von wirtschaftlichen, politischen und sozialen Zusammenhängen feiert fröhliche Urstände.

„Mit extra Milchschaum, bitte.“

Das hier ist eine Universitätsstadt. Leider.

  1. 2009 April 22

    Und der Milchschaum muss nicht extra bezahlt werden – der ist gratis.
    Do

  2. 2009 April 25

    Tja, das Örtchen, in dem ich lebe, ist dreifache Universitätsstadt, die THs nicht mitgezählt. Gibt Dir das eine grobe Einschätzung, wie’s mir ergeht, wenn ich mich vor die Tür traue? ;-)

  3. 2009 Mai 1

    @Heuni: Es sei denn die Kellner machen auch Kurzarbeit ;)

    @Willyam: Ich fühle mit, vor allem weil ich mir vorstellen kann, dass es in der Hauptstadt mit den ganzen zugereisten Neon-Lesern und ihrer Ironievollmacht auch in alternativen Kreisen nicht gerade besser aussieht ;)

  4. 2009 Mai 4

    Neee, überhaupt nicht. Die leben eben alle nach der Devise, die Heuni andeutet: Gonna stay 18 ’til I die. (Hätte nie gedacht, dass Bryan Adams wieder derart populär sein würde …)

  5. 2009 Mai 14

    willyam, ich hab zwar dieses Motto, bin aber dennoch keiner von denen, die „Ohhh geil“ schreien wenn es um „kurze“ Arbeitszeit geht.

    Motto ist eben nicht gleich Motto ;)

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