Wenn ich mal groß bin und felsenfest davon überzeugt, anderen die Welt, wenn schon nicht erklären, dann wenigstens näherbringen zu können – vielleicht schlimmer noch: zu müssen – dann würde ich bestimmt Sätze schreiben, in denen ich Niklas Luhmann als den ‘Theoretiker mit dem über die Jahre indifferenten Sakko’ bezeichnen würde. Dafür müsste ich natürlich erstmal differenzieren, die einen ins Töpfchen, die anderen ins Kröpfchen, hier der Habermas, da der Antihumanist, was sich auch auf Antichrist reimt. Man sieht, einer wertenden Kategorisierung ist dabei kaum zu entkommen.
Zum Glück. Denn was sollten wir fragen, wenn es Antworten schon gäbe?


Versteh ich nicht.
Oh, keine Sorge, manchmal schreibe ich nur Dinge, weil ich den Klang der Worte, wie sie aufeinander folgen, toll finde. Die inhaltliche Komponente erschließe ich mir dann rekursiv ;)
Aber im Ernst: Ich fand Deine Kurzdefinition von Differenz sehr schön, da bei mir als altem Systemtheoretiker natürlich die Differenz und damit einhergehend das Differenzieren als grundlegende Operation der Wahrnehmung schon immer vorausgesetzt sind. Ohne Unterscheidungen – und daraus folgernd, wie ich geschrieben habe, auch Wertungen – läuft das Spiel eben nicht.
Und gerade wenn es um Unterscheidungen und Wertungen geht, ist der verlinkte Artikel in der taz ein tolles Beispiel. Denn natürlich – das will ich auch gar nicht zum Kritikpunkt machen, in dem Rahmen ist das ein ganz gutes Stück Text – ist der Luhmann nicht ohne die Unterscheidung zur ‘guten’ und ‘linken’ Frankfurter Schule zu denken*, und natürlich kann man im rückblickenden Zusammenhang durchaus behaupten, Luhmann sei heute so „aktuell und praktisch nutzlos wie nie“. Aber ob man ihm mit einer Überschrift wie „Der Antihumanist“ und den damit verbundenen Zeichenkomplexen einen Gefallen tut, weiß ich nicht.
* In dem Zusammenhang musste ich hierüber herzlich schmunzeln.
Ach, ich würde auch sagen, dass Luhmann Antihumanist war, und ob es für die taz jetzt tatsächlich etwas negatives bedeutet oder ob nicht vielmehr die Spannung, die zwischen Habermas und Luhmann herrschte, dargestellt werden sollte… weiß ich nicht. Vielleicht ja, ich hatte es so nicht gelesen. Antihumanist ist für mich nichts Abwertendes, solange es sich auf Philosophan und nicht auf Politikan beziehen (klick klack) und Luhmann ist für mich definitiv eher auf der Seite der Philosophan. Die Kritik, dass er selber Mensch sei und seine Theorie somit durchaus sozial war, muss man, wie ich finde, unbedingt zulassen. Aber naja, das siehst du vermutlich ähnlich. Sätze wie „aktuell und praktisch nutzlos wie nie“ ist eigentlich nicht mehr und nicht weniger als eine Umschreibung dessen, was man Gewöhnlich mit Wissenschaft machen kann. Ich persönlich glaube ja, dass die Frankfurter Schule & die Systemtheoretikan (und sehr viele von denen, die ihnen gefolgt sind) aneinander vorbei geredet haben.
Wenn du die Definition mochtest, vielleicht kannst du dann auch aus den quasi Vorgängern etwas Nützliches ziehen:
(Tip)
(Tap)
(Top)
Habe gerade erst deinen Link angeklickt und habe mich ebenfalls sehr amüsiert. In „Einführungen in die Soziologie“, das muss man aber gerechterweise eingestehen, ist es aber nur schwerlich möglich, keine oberflächlich wirkenden, pauschalen Differenzen zu verwenden. Das gleiche gilt für die Zeitung und letztlich arbeitet auch jedo Wissenschaftla pauschal (nur sieht es eben nicht danach aus). Schwarz-weiß-denken ist meiner Meinung nach durch und durch menschlich und erforderlich. Man muss halt aufpassen, dass man immer wieder ein paar Fragen stellt, wenn man gerade keine hat.