Wenn ich über ein Banner stolpere, auf dem in roten Lettern die Flucht durch ein Minenfeld und das Überleben in einem Flüchtlingslager zum Selbsterleben angeboten wird, dann halte ich das entweder für gelungene Satire oder auch, je nach präsenter Laune, für ein Resultat eines miesen Sinns für Humor. Aber natürlich ist es das alles nicht, sondern ein ernst gemeinter Versuch, den Teilnehmern des Weltwirtschaftsforums das Leben eines Flüchtlings näher zu bringen.
Das nennt sich dann Refugee Run.
Mal leichtfertig angenommen, dass ein einstündiges simuliertes Rollenspiel, bei dem psychische und körperliche Unversehrtheit immer gewährleistet bleibt – ich denke, das Flüchtlingskommissariat der UN würde dem CEO von Nike kaum die Schienbeine zertrümmern – überhaupt so etwas wie Mitgefühl oder einen Wechsel der Perspektive und vielleicht sogar des Verhaltens bewirken könnte. Wäre es dann eine Bestätigung dieser Annahme, wenn Richard Branson, wahrscheinlich zwischen schneller Morgentoilette und dem nächstem Stratosphärenflug, das ganze mit einem Beautifully done! kommentiert? Oder doch eher ein Indiz für das Gegenteil?