Getaggt mit film

Fritz langts

Irgendwo, so scheint es mir, zwischen Mario Barth als Minimalkonsens des Lustigen und dem nächsten guten Nazi, der gar nicht so schlimm war, und eigentlich, hach, das waren Menschen wie Du und Ich, irgendwo zwischen diesen Polen ist das deutsche Kino verloren gegangen. Und wenn das – ein netter Junge, der alles ist, nur nicht lustig, und ein nickelbebrillter Anwärter auf den Bayrischen Filmpreis – unsere Helden sind, dann möchte ich nicht, dass deren Denkmäler mit meinen Steuergeldern finanziert werden.

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Damals hätte auch keiner gedacht, dass ein Film irgendwann mal auf eine kleine Silberscheibe passt

Als Filmzuschauer tut man sich schwer, will man das was da vor einem auf der Leinwand flimmert – oder wahlweise auch auf dem heimischen Fernsehschirm – in seiner Ganzheit betrachten. Das ist im Museum – wenn man beispielsweise vor irgendeiner dieser neumodischen Metallplastiken steht, welche die Zerrissenheit des posthumanen Menschen zwischen seinen technologischen Göttern einerseits und dem Ruf der ursprünglichen Instinkte andererseits darstellen soll, zumindest den Autor dieser Zeilen sich aber fragen lässt, wo in Gottes Namen den dieses Relikt aus den Szenenbauten des zweiten Mad Max-Teils ausgegraben wurde, und wer auf die Idee kommen kann, das dies mehr darstelle als Restverwertung von Altmetall. Aber der Autor dieser Zeilen würde Kunst noch nicht mal erkennen, wenn sie ihn in den Arsch beißen würde – noch recht einfach, in zwei, drei Minuten ist man in den meisten Fällen in der Lage, das Objekt der Betrachtung relativ ganz zu erfassen. Das ist bei Filmen schwieriger, allein schon wegen der temporären Distanz zwischen Anfang und Ende. Trotz aller avantgardistischen Bemühungen ist die immer noch irgendwo bei mindestens 80 Minuten.

Gewitzte Leute haben da einige Coping-Strategien entwickelt. Der David Bordwell beispielsweise sitzt ja angeblich immer mit einem Klickzähler im Kino, um ganz genau die Schnittfrequenz zu timen. Es gibt auch das gute alte Filmprotokoll, ein beliebtes Instrument, um einem kulturwissenschaftlichen Bachelor-Seminar den Anschein zu geben, dort würde systematisch etwas erarbeitet. Aber trotzdem, das sind alles reduzierte Formen dessen, was eine Filmerfahrung ausmacht.

Deswegen ist das, was Brendan Dawes macht [via], in diesem Zusammenhang so einfach wie innovativ: Ein Mosaikbild, zusammengesetzt aus den in regelmäßigen Abständen aufgenommenen Einzelbildern eines Films, wobei eine Zeile exakt einer Minute entspricht – vor allem, wenn man die dargestellten Filme kennt, werden vorher eher unterbewusst geahnte Strukturen auf einmal offensichtlich. Und wenn man genauer darüber nachdenkt, dann war das Lesen dieser bestimmt hundert Bücher über Filmstruktur und Schnittrythmus überflüssig.

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Wie!? Freie Platzwahl?

Wer draußen ist, auf den wartet kein noch so dünnes soziales Netz, noch nicht einmal das poröse Boot der Boat People, sondern ein Abgrund ohne Boden. Manchmal sind gute Horrorfilme eben wie gute Soziologie.

Ohne kulturpessimistisch sein zu wollen: Manchmal ist gute Soziologie auch wie ein guter Horrorfilm, zumindest liest sie sich manchmal so. Wenn sie jetzt noch so unterhaltend wie nicht unbedingt erstklassige, aber mit Attitüde vorgetragene Filmkritik wäre, dann könnte die Filmindustrie einpacken und ein Großteil des bundesdeutschen Popcornabsatzes würde in Hörsaälen stattfinden. Tut er nicht, und das ist vielleicht besser so. Schließlich will keiner da ständig Leute haben, die zu spät kommen und sich durch die Reihen drängeln. Oder lautstark telefonieren und dabei ihre Cola umschütten, für deren monetären Ersatz sie wiederum denjenigen verantwortlich machen wollen, dem die klebrige Soße gerade den Nacken hinunterrinnt. Oder die in spannenden Momenten mit den Füßen gegen die Vordersitze treten, weil es doch so aufregend ist……Moment.

Wenn ich es genauer überdenke, macht es eigentlich keinen Unterschied, ob man gerade Saw IV sieht oder versucht zu verstehen, warum denn Marienthal so ungemein wichtig war. Irgendwer nervt immer und hätte besser zuhause bleiben sollen.

Ein Glück, dass ich mir sowas nicht mehr aussuchen muss.

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